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Deutschland Israel Palästina
Galerie, Projekte, Symposien: Schaltstelle für Kulturaustausch und Gespräche zwischen Deutschland, Israel und Palästina auf höchstem gedanklichem Niveau in Berlins Mitte: seit einem Jahr Artneuland

Berlin, November 2007

Ein Jahr TRIALOG in ARTNEULAND

Artneuland ist eine künstlerische Insel mit trialogischem Hafen. Hier laufen Künstler, Philosophen, Kunstsammler, Wissenschaftler und Menschen zum Diskurs ein. Initiatorin und ideenreich treibender Motor ist die israelische Künstlerin und Kuratorin Yael Katz Ben Shalom.
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Yael Katz Ben Shalom
(Foto: Johannes Bock / nurart)

von Irmgard Berner

In den ruhigen Innenhofräumen der Schumannstrasse 18 hat Katz Ben Shalom im November 2006 eine lebendige, brückenschlagende Kunstzentrale eingerichtet. Zwei große Themen, mit denen sie sich seit Jahren beschäftigt, stellt sie hier auf deutschem Boden zur offenen sprachlichen und bildlichen Diskussion: den israelisch-palästinensischen Konflikt und das Trauma des Holocaust.

Yael Katz Ben Shalom liebt es, Menschen zusammen zu bringen, denkende, sprechende, filmende, wache, kritische und neugierige, Kunstschaffende und solche, die sich kulturell mit den Problemen des Nahost-Konflikts auseinander setzen. Nicht um zu kommentieren, sondern zu diskutieren. Ben Shalom fördert den Diskurs, sie nennt ihn Trialog. "Wenn nur zwei miteinander diskutieren, entsteht ein ‚Ping-Pong-Mechanismus', das ist nicht, was ich will", sagt die Schwarzhaarige leidenschaftlich.

Der Trialog steht in mehrerlei Hinsicht auf drei Säulen: zum einen auf denen der drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam. "Es ist aber keine Frage der reinen Geographie oder Religion. Es ist eine Frage der Kultur - wie wir unser Leben interpretieren - was die Quelle ist, aus der wir uns nähren", betont sie.
Als zweites sind es die Ausdrucksmittel, die Medien, durch die Ben Shalom diesen Diskurs führt: Wort, Bild, Mensch.

Zeit und Ort durch den Blick der Kamera

Die Ausstellungen widmet sie der Video- und Photokunst. Großaufnahmen von einer jungen Frau, ihren stickenden Händen, hebräischen und arabischen Schriftzeichen bewegen sich auf der weißen Galeriewand, schwarz-weiß Photos mit Kindergesichtern werden begleitet von surrenden Gitarrenklängen, die durch den Raum kreisen. "Artneuland ist eine spezielle Plattform, auf der wir alles mit allen Sinnen praktizieren, wenn wir über Kunst sprechen."
Warum gerade Video und Photo? "Weil sie theoretische Objekte sind, die eine Auseinandersetzung fordern. Video und Photographie sind dokumentarische Medien, sie sind Event in Bezug auf Zeit und Ort. Dadurch provozieren sie den Diskurs", sagt die Künstlerin Ben Shalom, die selbst mit diesen Medien arbeitet.
Kunstvoll verwebt Yael Katz Ben Shalom in ihrer Projekt-Galerie Artneuland künstlerische Praxis mit Theorie. So wird das Wort auf Symposien lebendig, die sie bis zu drei Mal im Jahr mit Kunsttheoretikern, Philosophen und Wissenschaftlern initiiert. Reflexion und Kunstbetrachtung im Kontext des Erlebten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Für eine fundierte ästhetische Kunstbetrachtung gewann sie Bazon Brock, und der Philosoph Peter Sloterdyjk hielt vor einem Jahr die Einführungsrede.
Zu den maßgeblich beteiligten Menschen gehören natürlich die Künstler. "Geld & Guilt" ist der Titel der aktuellen Ausstellung.

Geschichte wird zur Reise in das Gedächtnis

Warum ist gerade Berlin, und nicht Madrid oder London der Standort für Artneuland geworden? "Berlin ist für mich ein ‚offenes Grab'", sagt die mit der Geschichte des Holocaust aufgewachsene Israelin. Als junge Frau verspürt sie großen Widerstand gegen diesen Ort, erst auf Einladung einer Künstlerin vor dreizehn Jahren, 1994, hat sie Berlin zum ersten Mal besucht. Und findet sich direkt mit der Vergangenheit ihres Volkes konfrontiert: das Atelier der Künstlerin ist eine ehemalige Synagoge. "Haben Sie hier noch irgendwelche Dinge gefunden?" hatte sie damals die Künstlerin gefragt. Daraufhin holt diese eine Kiste mit zum Teil verbrannten Büchern und einer Torahrolle aus der Kriegszeit hervor. Yael Katz fragte sich indessen, ob sie selber fähig wäre, in einer ehemaligen Moschee zu leben.

Die innere Wende

Ein Schlüsselerlebnis und Wendepunkt für die Künstlerin Yael Katz Ben Shalom. Sie gibt die Malerei auf und erklärt die Photografie zu ihrem Medium für die Reise in das Gedächtnis. Zurück in Israel, erzählt sie weiter, fängt sie an, ihre Identität als Israelin neu zu hinterfragen: Wer bin ich, warum bin ich hier; wie wurde ich vom Opfer zum Besatzer? Sie konfrontiert ihr Ich mit der Beziehung zu den Palästinensern im Spiegel zum Verhältnis ihres Volkes zu den Deutschen. Ein Dreiecksverhältnis. Daraus macht sie den Anfang ihres Projektes im Sinne eines "Triangle", mit Israelis, Palästinensern und Deutschen. Ausstellungen, Kooperationen mit Institutionen und Museen, soziale Projekte, immer liegt ihr Interesse darin, Probleme anzusprechen, aufzubrechen, aktiv und dokumentarisch zu hinterfragen.

In Erfurt entdeckt sie auf dem Gelände der Firma "Topf und Söhne", einst Krematorienbauer für Auschwitz, einen dieser Orte des Gedächtnisses, des lebenden Gedächtnisses. Dokumente, Photografien, Gegenstände, Reste einer Vergangenheit, die die Stadtverwaltung in ihrer aktuellen Planung aber nicht am Leben zu erhalten gedachte. Mit ihrem Kunstprojekt, Interviews und einer Dokumentationsreihe hilft sie, diese wunde Stelle der Geschichte für die Nachwelt lebendig zu halten.

Aus Triangle wird Trialog

Den Mechanismen der Erinnerung hat Katz Ben Shalom sich seitdem verschrieben. Sie reist zwischen Israel und Deutschland, bringt Menschen zu Gesprächen und Diskursen zusammen. Immer mit der Frage: Welcher Entwurf liegt unserem Gedächtnis zugrunde, wie ist seine Zeichnung, wie überlebt es? Wie politisiert ist unsere Erinnerung und wie vollzieht sich eine Demokratisierung des Gedächtnisses.

Daraus entsteht eine Erzählweise aus Bildern, Filmen und Texten, hervorgebracht von Menschen, die sich zwischen den drei Polen des Artneuland-Dreiecks Konflikten, Reibungen und Problemen in einem komplexen, schizophrenen System von Aufzeichnung und Vergessen aussetzen und in ihrer Bildsprache damit auseinandersetzen.
"Unser Gedächtnis ist nicht linear, wir erinnern uns nicht im Sinne einer historischen Chronologie", sagt Katz Ben Shalom, "wir leben in einer assoziativen Welt". Die Welt als ganzheitlich zu betrachten, hat sie sich auf die Fahnen ihrer künstlerischen Insel Artneuland geschrieben. Ein Jahr ist erst der Anfang.
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(Fotos: Johannes Bock / nurart)

Berlin Office
ARTNEULAND e.V.
Schumannstrasse 18
10117 Berlin, Germany

Tel: +49 (0)30 28046650, 28047013
Fax: +49 (0)30 28092950

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