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Golem in Artneuland PDF Drucken

Datenmonster und Bilderflut

Die Ausstellung "Transkulturelle Paranoia" in Artneuland will tiefer in die Angstszenarien unserer Gesellschaft hineinleuchten

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Ängste werden künstlich geschürt und von politischen Systemen gezielt  zur Manipulation benutzt. Schutz- Mechanismen wie Daten- Verschlüsselung werden missbraucht und uns zum Verhängnis. Die Systeme, die wir schufen, wenden sich gegen uns. Eines von diesen Monstern hieß Golem.

Von Irmgard Berner

Berlin, 16. September 2008 Ungeformt, kantig und unfertig ist er, der jüdischen Legende nach ein menschenähnliches Geschöpf, ein künstlich gebildetes Wesen, ursprünglich aus Lehm. Besondere Kräfte besitzt er, kann Befehlen folgen aber nicht sprechen und solle beschützen. Golem heißt er und wird mittels Buchstabenkombinationen im Sinne des sprachmagischen „Buchs der Schöpfung“ aus der jüdischen Mystik belebt oder wieder stillgelegt. Ist die Ziffernfolge fehlerhaft, wird er verrückt, paranoid und gefährlich. In Sekundenbruchteilen mutiert er zum wahnsinnig gewordenen Zauberlehrling. Der Golem symbolisiert unseren Umgang mit Urängsten, Kontrollverlust und Ohnmachtslähmung, begleitet von einem  immensen Schutzbedürfnis. Als Faktotum lässt er sich durchaus auf zeitgenössische Datenmaschinen, Roboter und ferngesteuerte Vehikel übertragen, sinngemäß erhielt der erste Großrechner in Israel 1965 den Namen Golem I.

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Seit kurzem treibt nun im Galerieraum von Artneuland ein ganz neuer Golem und Artgefährte sein verrätseltes Unwesen: ein Multimedia-Tisch, verdrahtet, vernetzt, mit als Projektionsfläche magisch illuminierter  Tischplatte. Etwas ratlos steht die Besucherin vor diesem Mobiliar von kühler Sachlichkeit, das wie ein Küchentisch mit strahlender Decke in den dunklen Raum leuchtet und Haufen von Polaroid-Photos auf sich schichtet. Instinktiv will die Betrachterhand eines dieser Bilder fassen. Die Fingerkuppen berühren die glatte Oberfläche, das Bild entgleitet, flutscht weg, verschwindet und explodiert wie von Zauberhand zu einer groß projizierten  Fläche als Text, Photo oder Video auf dem drei Meter langen Touch-Screen. Die eingebaute Sensorik meldet Körperkontakt.

Mithilfe einer sehr konzentrierten Form der Interaktion und nicht ganz neuen Technik, versucht das Kunstprojekt „Transkulturelle Paranoia – Nova Paranoia“ das Phänomen Paranoia zu durchleuchten und den kollektiven Ängsten, dem Verfolgungswahn - etwa aufgrund von Terrorismus oder Datenmissbrauch - als treibender Kraft in modernen Gesellschaftsstrukturen auf die Spur zu kommen. Sechs Künstler füttern via Internet den hungrigen Golem  mit Daten aus der paranoiden Welt politischer und kultureller Systeme, aus Israel, der Türkei, Österreich, dem Balkan und Iran. Sechs Wochen lang agieren sie als „Paranoia-Agenten“.  

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Hasan Elahi (Bangladesch/USA), mit dem Handy bewaffnet, will einen persönlichen Dauerreport über sich und den dadurch entstehenden Datenmüll ad absurdum führen. Sharham Entekhabi (Iran/D) performt als Undercover-Journalist, Saso Sedlacek & Lada Cerar (Slowenien) portraitieren ein Kleinkind im Zeitalter wachsender Seniorengenerationen. Assaf Evron (Israel), Secil Yersel (Türkei) und Edlinger & Baur von der Werkstatt Graz (Österreich) spionieren die Chiffren gegenseitiger Einflussnahme durch Angstszenarien aus und machen sie für uns auf dem Tisch lesbar. In ihren Heimat-Staaten  sammeln und verarbeiten sie Belege über den manipulativen Einsatz von Paranoia und deren Missbrauch im Interesse der Macht, sie schnüffeln in Medienfabriken dem produzierenden Angst-Mach-Gewerbe nach und stöbern in den Geschäften der großen, politischen  Sicherheitsversprechen. Die bunten Image-Dateien senden die Agenten direkt in Golems gierigen Schlund.

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Schon am Eröffnungsabend fließen Bildsequenzen des Photografen Assaf Evron von seinen Streifzügen aus Tel Aviv in die Berliner Zentrale. Und während Golem ruhig die frischen Photo-Loops verdaut, kreist auf dem Podium die Diskussion um das Thema: Was ist transkulturell an Paranoia? Teilen wir die Form der Paranoia darüber, dass sich die eigene Kultur verändert durch Migration, durch Computer? Die Islam-Wissenschaftlerin Riem Spielhaus betont gravierende Defizite im Diskurs um den Islam, in dem die Angst nicht nur vor Kontrollverlust, sondern vor dem einseitigen Bevölkerungswachstum geschürt wird, der Publizist Sergey Lagondinsky  und die Sprecherin des Chaos Computer Clubs Constanze Kurz sieht keine Chance mehr, der Datenüberwachung je wieder zu entkommen. Leider verheddert sich die anfänglich spannende Diskussion im Knoten der Kopftuchdebatte. OderZeichen einer weiteren Paranoia?

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Ein großes Ansinnen gibt das Ausstellungskonzept hier vor. Der Informations- und Bilderstrom wird zu einer unkontrollierbaren Flut anwachsen. Aber Golem ist geduldig, hat große Speicherkapazitäten. Er ist „das Kontrollzentrum“ wie Yael Katz Ben Shalom, Leiterin des nicht-kommerziellen Galerieraums listig sagt. Die erste, dynamische Phase von „Transcultural Paranoia“ wird ab 2. November in „Nova Paranoia“ mit realen Bildern münden. Denn „Natürlich entsteht eine Inflation von Bildern“, fügt Yael Katz hinzu, und „Golem übernimmt dann die kuratorische Funktion“.

Wie endet die Geschichte vom Golem doch gleich? Weil er sich gegen seine Schutzbefohlenen wendet, muss er vernichtet werden. Diese Angst braucht man hier wohl nicht zu haben, dazu ist der Umgang mit diesem ernsten Thema viel zu spielerisch.

Photos: Irmgard Berner / nurart

"Transcultural Paranoia" 15.09. - 01.11.2008

Artneuland e. V., Schumannstrasse 18, 10117 Berlin

Opening hours:
Tue - Fri 11.00 - 19.00
Sat + Sun 11.00 - 18.00 

www.artneuland.com

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