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Thierry Noir, Mauerk�nstler PDF Drucken

Die Grenze am Ende des Bürgersteigs

Der Künstler Thierry Noir prägte mit seinen Comics-Köpfen die bunte Seite der Berliner Mauer

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Berlin, Januar 2009 Vor 20 Jahren wurden sie zu einem Freiheitssymbol der Wende, heute sind sie ein bekanntes und beliebtes Motiv auf Ansichtskarten: die farbenfrohen Kopf-Figuren des französischen Künstlers Thierry Noir, 50. Schwarze Umrisslinien formen ihr gelbes, grünes oder rotes Profil; wulstige Lippen, die Nase gekrümmt, staunt immer nur ein kreisrundes Auge aus dem Bild, als würde das andere, unsichtbare Auge durch die Mauer nach Osten schauen. Erfunden hat Noir sie vor 25 Jahren auf der „größten Betonleinwand der Welt“, der Berliner Mauer. 

von Irmgard Berner

Image Herr Noir, Sie benutzen häufig das Wort „schnell“, in Ihren Texten, aber auch für Ihre Arbeit als Maler. Wie haben Sie Ihre Kopf-Figur entdeckt?

Durch diese schnelle Malerei. Lacht. Es hat angefangen durch dieses System, dass ich erst spät verstanden habe, dass die Mauer nicht die Grenze war.

Wie meinen Sie das?

Ich habe direkt vor der Mauer gelebt, am Bethaniendamm. Da waren das Georg von Rauch Haus, wo ich wohnte, und die Mauer, dazwischen nur ein alter Bürgersteig. Die Mauer selbst war zurückgebaut und die Grenze war am Ende des Bürgersteigs. Dieser 4-Meter-Platz, das war schon Ost-Berlin! Dazwischen war eine Art Niemandsland. Da konnte man verhaftet werden.

Sind Sie in die Fänge der NVA geraten?

Wir sind immer schnell hin und her gesprungen, und wenn wir gesehen haben, dass die Soldaten kommen, dann haben wir nicht gewartet, bis die kamen, sind einfach zurück. Zwei von uns haben sie aber erwischt. Ich persönlich habe nie die Grenzpolizei oder die Soldaten beleidigt und niemals etwas über die Mauer geworfen, so alte Farbenreste oder Pinsel. Ich habe das respektiert und dafür haben die Soldaten mich in Ruhe gelassen.

Noch mal zu Ihrer Kopf-Figur. Gibt es so etwas wie eine Geburtsstunde?

Ich habe keine Erleuchtung bekommen. Es hat sich so entwickelt durch die tägliche Arbeit auf der Mauer. Wie sagt man? 5 Prozent Inspiration, 95 Prozent Transpiration. Ist wirklich wahr.

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Würden Sie Ihre Mauermalereien als Graffiti bezeichnen?

Das war mehr, das war Kilometerkunst! Graffitis sind klein, aber die Mauer zwischen Ost- und West-Berlin war 42 km mal 3,60 Meter hoch. Da war richtig Platz. Das war richtig industrielles Graffiti, mit großer Rolle und Leiter und körperlicher Ausdauer.

… und im öffentlichen Raum. In dem Film „Himmel über Berlin“ von Wim Wenders sieht man Sie an der Mauer malen. Wie aber reagierten damals die Passanten, wenn sie Sie auf der Leiter malen sahen?

Manche haben gefragt, warum mach ich gerade das? Und haben mich beschimpft, ich würde das Ozonloch, das damals Thema war, größer machen mit meinem Spray. Das war irre. Dann musste ich oft aufhören zu malen, erklären warum, und nein, ich bin nicht von der CIA engagiert, ich wohne hier direkt da, ich komme nicht extra aus Frankreich, um die Mauer zu verschönern. Man hat gedacht, ich sei engagiert vom Senat und für „750 Jahre Berlin“ (1987) die Mauer schön für die Touristen zu bemalen. 

Malen, erklären, aufpassen, dass die Soldaten nicht kommen. Es war richtig anstrengend.

Aber gibt es ein Datum, wo Sie zum ersten Mal diesen Kopf mit den vollen Lippen und großen Kulleraugen auf die Mauer gemalt haben?

Also im April 1984 hat es angefangen, bis zum Schluss, bis Februar 1990 - da kamen die großen Löcher in die Mauer. Und dann konnte man durch diese Löcher die Rückseite bemalen. Das war die Krönung! Einfach die Rückseite der Mauer zu bemalen!

Und die Grenzsoldaten?

Die waren noch da, pro forma, durften natürlich nicht mehr erschießen. Ich habe sie einfach nur genervt und geärgert, als Rache für dieses jahrelange Leben an der Mauer. Dann habe ich gesehen, die kommen langsam zu mir und dann – wufft – durch das Loch bin ich nach West-Berlin wieder gegangen. Die haben sich tierisch geärgert. Das fand ich das Recht nach so vielen Jahren und diesen ganzen Toten an der Mauer. Schrecklich. Mein Schicksal ist nichts gegen die Leute, die gestorben sind oder verletzt wurden.

Eine späte Genugtuung.

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Diese Wendezeit war wirklich was Besonderes für mich. Und auch noch eine andere Stadt kennen zu lernen! Ich durfte ja nicht nach Ost-Berlin wegen der Malereien, das war Bemalung eines Grenzelements und streng verboten. Ich bin auf Entdeckung mit dem Fahrrad durch Ost-Berlin gefahren, mit meiner kleinen Tochter im Kindersitz.

Das war wie eine Euphorie! Da waren plötzlich ganz viele neue Cafés ohne Genehmigung für Alkohol, überall dieser neue Techno, unbekannte Clubs, Parties mit Kunst an der Wand. Das war Wahnsinn.

Anarchie?

Es hat lange gedauert, bis die Regierung kam – dann war Schluss. Sie haben eine große Sauberaktion gemacht, da war Ende dieser goldenen Zeit. Aber es war schön, diese Freiheit zu spüren! Wo die Leute doch jahrelang gezittert haben.

Ihr Kopf-Motiv ist dann auch zu einer Art Freiheitssymbol geworden. Hätten Sie sich ohne die Mauer als Künstler so entwickeln können?

Wahrscheinlich anders. Ich bin ja nicht nach Berlin gekommen, um die Mauer zu bemalen. Ich habe gelebt im Winter in Kreuzberg mit dieser Tristesse, diesen Lichtern im Nebel, dem Smog und Smogalarm. Richtig düster. Ich habe mich gefragt, Mensch, wo bin ich hier gelandet?

Sie sind in Lyon aufgewachsen. Wann haben Sie beschlossen nach Deutschland zu gehen?

Ich habe versucht, einen Weg in Frankreich zu finden nach dem Abitur, in der Universität, mit Büroarbeit, aber das hat nie funktioniert. Dann war ich schon 23. Ich muss mein Leben ändern, dachte ich, sonst bin ich bald dauerarbeitslos.

ImageWie kamen Sie auf Berlin, die geteilte Stadt war Anfang der 80er Jahre doch wenig attraktiv?

Ein Freund hat mir immer von Berlin erzählt, wie toll es sei. Es gab damals sehr viel Musik aus Berlin: die Neue Deutsche Welle, viele Bands im Radio. David Bowie, Iggy Pop, Nina Hagen, Deutsch Amerikanische Freundschaft - diese ganzen Bands hatten mit Berlin zu tun. Ich habe gedacht: na gut, ich gehe einfach nach Berlin, um zu sehen, warum die Leute nach Berlin gehen und nicht nach Lyon. Dann hab ich ein einfaches Zugticket gekauft. So hat es angefangen.

Sozusagen „no return“?

Ja. Und die Frau in Lyon hat mich gefragt: Sie sind schon der Zweite heute, der ein Einweg-Ticket nach Berlin nimmt. Was ist dort los? Ja, weiß ich auch nicht, habe ich gesagt. Lacht

Das war so eine Billigvariante damals, das System Transalpino. Man durfte nur bestimmte Züge nehmen – von Lyon nach Berlin 21 Stunden. Dreimal umsteigen. Der Nachtzug von Frankfurt am Main bis Berlin, der war sehr berühmt. Der hat 12 Stunden gebraucht, um 18 Uhr los bis Bebra – dort war so viel Polizei! Danach dieser lange Weg nach Ost, und sehr lange Kontrollen. Ich habe alles nicht verstanden damals. Dann musste man noch 5 Mark bezahlen. Total spannend.

Eintrittsgeld in eine unbekannte Zone des Kalten Krieges?

Ich habe in Frankreich niemals über dies ganze Berlin gelernt, wie das funktioniert: Ost – West. Nur bis 1945. So war für mich alles neu. Dass West-Berlin eine Insel ist, das hab ich alles nicht gewusst.

Wie fühlten Sie sich? Ohne Rückfahrkarte und ohne Schlaf?

Ich hatte ein bisschen Angst, muss ich sagen, als ich um 6 Uhr morgens am Bahnhof Zoo ankam. Es war kalt im Januar, dunkel, es lag ein bisschen Schnee, da war so eine komische Atmosphäre, diese alten gelben Kacheln. Ich konnte nicht lesen, was überall geschrieben war. Gruselig.

Und trotzdem sind Sie geblieben?

Ja, dann bin ich geblieben, weil ich konnte plötzlich von meiner Arbeit leben, durch den Verkauf meiner Bilder. Also nicht plötzlich, das hat zwei Jahre gedauert: von Januar 1982 bis April 1984.

Sind Sie als Künstler hierher gekommen, oder sind Sie hier Künstler geworden?

Ich bin in Berlin Künstler geworden, weil ich nach ein paar Tagen feststellte: Alle Leute, die ich kenne, treffe, sind Künstler! Und ich habe mir gesagt, Mensch, in einer Woche habe ich zehn Künstler kennen gelernt und in Frankreich mein ganzes Leben keine.

Das war für mich irgendwie ganz neu. So viele Künstler auf ein Mal. Irgendwann hat mich jemand gefragt: bist du auch Künstler? Klar, klar bin ich auch Künstler! Sonst hätte vielleicht keiner mehr mit mir geredet. Also hab ich gesagt: ja ich bin Künstler, ich kann alles, singen, malen. 

Ihr Name – noir heißt schwarz – klingt wie ein Künstlername.

Ich bin als Thierry Noir geboren. In Frankreich habe ich sehr viel Ärger wegen meines Namens bekommen als Kind, jeder hat mich Nigger genannt oder Noireau, Aspirin, Blanchette.

Hat Sie das für später geprägt?

Ja, ich habe mich dadurch immer irgendwie als Außenseiter gefühlt, ich durfte mit anderen nicht spielen.

Warum so extrem?

Die Kinder sind knallhart, denke ich. Ich musste immer vom 5. Stock zusehen, wie die anderen Fußball spielen. Ich habe dafür gelesen. Vielleicht hat es mir auch das Leben gerettet; ich wäre sonst dort geblieben mit den anderen.

Was würden Sie gerne noch bemalen? Nach Israel fahren und in Bethlehem ein Stück Mauer bemalen, wie es manche Künstler tun?

Verrückt sind die anderen. Nein, ich glaube, jeder muss seine Mauer selbst bemalen. Ich habe die Mauer bemalt, weil sie direkt vor meiner Tür war. Ich finde es wichtig, dass die Leute vor Ort das machen.

Das Gespräch führte Irmgard Berner

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Photos: Irmgard Berner / nurart, courtesy Thierry Noir

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