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Botschafter im Licht des Orients

Träume, innere Spaziergänge, Heimat - der Künstler als Schöpfer und Zerstörer

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Marwan gilt als erfolgreichster Maler der arabischen Diaspora in Deutschland. Er ist Mitglied der Akademie der Künste, seit seinem Studium lebt und arbeitet er in Berlin. Eng verbunden mit seiner Heimatstadt Damaskus bewegt er sich seit fünf Jahrzehnten zwischen Orient und Okzident. Dieses Jahr feiert er seinen 75. Geburtstag.

Über Schmerz, Schuld und Sehnsucht nach der Mutter Erde, über Leidenschaft und Zweifel sprachen wir mit dem syrischen Künstler. Und über den Dauerbrandherd  Naher Osten. Von Irmgard Berner

Der syrische Maler Marwan Kassab-Bachi im Gespräch 

Image Voice of Marwan

Januar 2009/August 2008 Marwan lebt und arbeitet seit 1957 in Berlin. Nach der Wende, 1990, zog er in den beschaulichen Nord-Ostteil der Stadt. Saftig grün steht der Rasen an diesem Morgen im Garten, das Sonnenlicht malt weiße Flecken auf das blanke, abgetretene  Parkett. Der Vormittag ist ruhig hier draußen.

Ein Hauch von Lächeln, das gleich wieder verschwindet, bewegt Marwans Gesicht. Freundlich und ernst beobachtet er durch seine runde Brille die Besucherin, richtet sich in stiller Konzentration im Schutz des hohen Lehnsessels auf. An den Fingernägeln seiner rechten Hand haben sich Spuren von Ölfarbe eingegraben. Er zündet sich eine Zigarette an.
Leise fängt er an zu sprechen. Ein ruhiger Bass, melodisch weich.

Herr Marwan, Sie wohnen hier in einer grünen Ecke Berlins. Gehen Sie viel spazieren?

Leider sehr wenig. Meine Zeit konzentriert sich zwischen Frühstücken, Malen, wenn es mir gut geht, um den Traum von gestern zu ergänzen. Mein Spaziergang ist wie ein Spiegel, das heißt dieses Glück beim Malen, wenn es klappt. Ich arbeite immer mit einem Spiegel. Dieser Spiegel ist klein, manchmal schmutzig mit Ölfarbe drauf, gebrochen. Er ist wie ein Fenster zur Welt. Durch ihn schaue ich mich selber an. Nicht, um eine bestimmte Gestik zu erfahren. Es ist ein Spaziergang mit innerem Monolog, meiner Vergangenheit, Kindheit, Erinnerung an bestimmte Farben, ein bestimmtes Licht.

ImageWoran malen Sie zurzeit?

An einem Bild - und das schon seit zwei, drei Monaten. Ein Bild ist beim ersten Mal so frisch, so wunderbar. Ich habe nicht gleich weitergemalt - es fehlt sehr wenig - und dann ein Fleck an der falschen Stelle, und all die Transparenz ist gebrochen. Ich male manchmal mit Angst, dann wieder mit Freude - mehr mit Angst, wenn ich morgens den Pinsel in die Farbe tauche.

Wenn Sie malen, sprechen Sie mit jemandem während des Prozesses, ist Ihnen künstlerischer Austausch wichtig?

… in einem Brief an meinen Freund - er ist viel viel mehr als das, der Schriftsteller Abdel Haman Munif - lange Jahre bis zu seinem Tod 2003. Ich habe nachts immer, wenn die Welt schläft, angefangen zu schreiben, was mich bewegt, von meinen Träumen, über meine Malerei, über Kunst, über Witze.
Eines Tages habe ich ihm geschrieben: weißt du Abdel Hamam, da gibt es zwei Arten von Vögeln. Die Zugvögel - sie fliegen über Kontinente, Berge, Täler, Dörfer, sehen unglaublich viel bis sie nach Afrika oder Asien kommen. Und dann gibt es diese anderen Vögel, die sitzen immer in der Heimat, einem kleinen Baum, springen von Ast zu Ast. Von diesem Baum gucken sie und sehen wirklich die Welt, und ich gehöre zu der zweiten Art.

Ist das auch Ihr Begriff von Heimat? Was bedeutet für Sie dann Diaspora?

Es gibt zwei Sorten: eine zwangspolitische oder ökonomische. Intellektuelle, wichtige Araber, die durch politischen Zwang in Europa oder Amerika leben. Leute mit unglaublicher Qualität, wie der Dichter Adonis, Nobelpreiskandidat. Und dann gibt es die Freiwilligen. Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um hier zu bleiben.

Wann haben Sie beschlossen, nicht mehr nach Syrien zurückzukehren?

Nach meinem Studium blieb ich noch etwas. Aber meine Unruhe war sehr stark. Ich habe gelitten und hatte Schuldgefühle, dass ich meine Mutter Erde verraten habe. Existenzielle Fragen stellten sich: was bin ich, wer bin ich, was mache ich hier, als Maler, als Schöpfer meiner Arbeit?
Die Herausforderung war begleitet von großer Trauer. Ende der 60er Jahre fuhr ich wieder nach Syrien zu Besuch. Wenn Sie nicht in Damaskus waren, können Sie sich kein Bild machen: die Sonne, die Eukalyptus-Bäume, die Walnuss-Alleen, diese Farbigkeit des Lichts, wie das pure Pigment aus Lila, Violett oder Orange am Nachmittag. Die Schwalben ziehen schwarz ihre Kreise, gezüchtete Tauben gurren, all dieser stille Gesang. Das arabische Haus meiner Kindheit besitzt ein unglaubliches Licht, besonders kurz vor der Dämmerung. Und dieser Gesang kommt von überall her, der Ruf zum Gebet oder eine Heiterkeit von uralten Liedern. Diese ganze Stimmung machte mich selber heiter, glücklich - und betroffen.
Ich wollte meine Frau holen und bleiben. Daraufhin hat mein Freund Nasir mich geküsst und mit Tränen in den Augen gesagt: wir lieben Dich so sehr, Marwan, und weil wir dich so lieben, musst du zurück nach Berlin. Für ihn war es wie Abrahams Opfer, der seinen Sohn Isaak opfert.
Ich habe diese Botschaft richtig verstanden. Mit einigem Erfolg könnte ich für meine Heimat im Ausland viel nützlicher sein. Es befreite mich von meinen Schuldgefühlen.

Sie hatten in Berlin auch bald Erfolg.

Ich wusste, wenn ich ausstelle, will ich eine hochkarätige Galerie. Das war damals in den 60er Jahren die Galerie Rudolf Springer, die beste Adresse, auch draußen berühmt. Springer war ein Entdecker, er stellte Künstler nur aus, wenn er überzeugt war, der finanzielle Erfolg war ihm nicht wichtig.

Welche Rolle spielte Berlin für Ihren Erfolg?

Eberhard Rohders, der Begründer der Berlinischen Galerie, hat für meine erste Ausstellung im Katalog geschrieben. Er schrieb: Marwan hat sein Künstlerschiff "Damaskus" in Berlin gefunden. Zuerst habe ich diesen Satz nicht verstanden, es dauerte bestimmt zehn, fünfzehn Jahre bis ich verstand, wie großherzig dieser Satz ist. Also aus dieser Insel, aus diesem grauen, melancholischen Berlin habe ich damals Kunst mitgetragen und von weitem konnte ich Damaskus viel transparenter sehen und viel leidenschaftlicher erleben.

Sie drücken sich in Bildern aus, Sie leben hier in einer fremden Sprache. Was bedeutet Sprache für Sie?

Das ist eine Frage der Identität und der Sensibilität für Geräusche, für Licht, für Gebete, Sufis - Mystisches. Sprache ist auch ein Kredit von Erlebnissen: sagen sie auf Arabisch Ma - Wasser, oder Nessiem - Brise, Wind, dann hat das eine unglaubliche Bedeutung in der Wüste. Sie sind existentiell, Bilder von einem Bach, ein Traum von Wasser. Ich schreibe immer noch auf Arabisch, das kommt aus meinem Lebensfluss.

In welcher Tradition sehen Sie sich als Maler?

Ich bin in einem alten arabischen Haus aufgewachsen, wo noch alles "heile Welt" war, natürlich gewachsen. Die Stadt mit ihren Tieren, grünen Gärten, die Häuser mit ihren Wasserfontänen. Die Quelle, das Wasser ist die Blutader jeden Hauses, der Felder. Ich bin noch Zeuge von dieser ganzen Selbstverständlichkeit des 19. Jahrhunderts. Es ist mein Speicher - auch für meine Kunst. Meine Gesichtslandschaften wären undenkbar ohne das, was ich gespeichert habe an Erinnerung. Diese knappe, klare Landschaft, nichts als dieser Horizont. Oben blau, unten die Erde, ein weißer Streifen, eine Straße, Kalk. Wer hat das gemacht? Ein Stein, ein Baum, ein fast biblisches Ereignis.

… ein abstraktes Bild?

Ja, aber es kommt nicht vom Intellekt her. Die Natur selber trägt diese Geheimnisse. Meine Arbeit, die Köpfe, die Gesichter, diese Konzentration wäre nicht möglich ohne diesen Reichtum. Es geht nicht um eine Deutung, sondern um eine dauernde Bewegung. Kaum hat man verstanden, ist es weg, um wieder neu zu erscheinen. Das ist das Geschenk, das Erbe, das ich aus meiner Heimat mittrage, als Reichtum für meine Existenz als Künstler.

Gibt es etwas, was Sie so richtig wütend macht?

Ungerechtigkeit. Ich bin zum Glück nie Rassismus begegnet. Als Künstler wird man verehrt, hat viele Freunde. Was mir aber Zorn, Wut und tiefe, schwarze Trauer bringt ist Ungerechtigkeit. Politische Grausamkeit, Vergewaltigung, das Schicksal der Palästinenser - und diese Verdrängung der Europäer, die das nicht wahrhaben wollen. Und diese ökonomische Gier von Leuten, die sagen, das ist unsere Welt, wir sind das Imperium. Das zweite, was mich wütend macht, ist diese Sache mit dem so genannten Feind Islam. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und des Kommunismus hat die Lüge, diese Länder demokratisieren zu wollen, den Fanatismus gezüchtet.

Sie haben in Amman, Jordanien, 1998 eine Sommerakademie gegründet und bis 2004 geleitet. Würden Sie jungen Künstlern raten, auszuwandern?

Das muss letztlich jeder für sich entscheiden. Mein Wunsch, mein Traum war es zu polarisieren, junge, begabte Menschen der arabischen Welt - für mich hauptsächlich aus Palästina, denn sie leben in einem großen Gefängnis. Konflikte sind in dieser Zeit eskaliert. Ich glaube, historisch gesehen, wird man erkennen, dass diese Akademie, dieses konzentrierte Arbeiten mit jungen Leuten, sehr viel gebracht hat.

Unterrichten Sie gerne?

Es ist sehr schwierig, Kunstunterricht zu geben. Es ist kein Unterricht. Sie müssen was vermitteln vom Geist her, von der Leidenschaft, ohne falsches Pathos und dieser bürgerlichen Vorstellung: der Künstler ist was Besonderes. Es geht um Existentielles, darum, dass man was zu sagen hat, um Selbstzweifel. Um die Situation, in sich selbst den Feind zu entdecken. Das zu vermitteln war meine Aufgabe. Das war sehr schwierig, sie müssen einen hohen Preis dafür bezahlen, unglaublich viel vom eigenen Ich geben. Immer, wenn ich zurück nach Berlin kam, war ich bestimmt zwei, drei Monate krank.

Sie sind Mitglied der Akademie der Künste. Ist Ihnen das wichtig?

Es erfüllt mich mit großem Stolz. Für Syrien.

Haben Sie noch einen Traum?

In Syrien gibt es keine Kunsthallen oder Orte, wo man ausstellen kann. Ich hatte eine Retrospektive 2005, in einer alten Karawanserei, das war toll. Diese alte Architektur und meine Bilder. Aber das Schmerzhafte ist, es gibt keine Museen, keinen Raum. Die haben kein Geld. Im kommenden Jahr wird Damaskus Kulturhauptstadt. Es gibt aber inzwischen reiche Leute, ich sagte: macht eine Stiftung, baut eine Kunsthalle. Aber keiner dort hat Autorität. Die, die Geld haben, haben kein Bewusstsein.

Welche existentiellen Fragen beschäftigen Sie neben der als Maler?

Das ist sehr intim: die Frage, wenn ich sterbe, wo ich begraben sein möchte. In Damaskus. Für meine Frau und meine Kinder ist das schwierig. Aber den Ruf meiner Erde, da zu sein, nehme ich wichtig. Die Bindung, der Geist, die Seele, die Sehnsucht - dass mit Zärtlichkeit, mit Sanftheit meine Erde mich umarmt.

Das Gespräch führte Irmgard Berner

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Marwan
Kassab-Bachi Marwan wurde 1934 in Damaskus/ Syrien, geboren.
Er lebt seit 1957 in Berlin.
An der Universität Damaskus studierte er Arabische Literatur,
an der Charlottenburger Kunsthochschule, Berlin, Malerei bei Hann Trier.
Von 1980 bis 2003 war er Professur an der Hochschule der Künste Berlin (heute UdK).
Marwan ist seit 1994 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin.
1999 begründet er die Sommer-Akademie der Abdul Hameed Shoman Foundation,
Darat al Funun in Amman/Jordanien.
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Посмотрим, кого там увидели эти молодцы.

Но я раскидал по всему дому их издания и позаботился о том, чтобы они попались ей на глаза.

И, чтобы разом закончить все споры, призрак исчез.

Тхеатис эталетам тетес абеска русар,-подчеркнуто интонируя, пропел сосед.

Ничего нового, заключает Фрамин.

Я почувствовал, как игла вонзилась в руку.

Дикое, открытое "Курс физики Грабовский" всем ветрам побережье, песок и галька "Провинциальный Тургенев" почему-то напоминали ей Эгейское море; порой холодные волны, лижущие "Павел 1 Сын Екатерины Великой" берег, вызывали в памяти Северное море.

Подъем "Земельный кодекс РФ" стал медленным, и туман сгущался над ним, "1941 Время кровавых псов" пропитывая и без того прилипающую к телу "Бульоны и мясные супы" одежду.

Мне кажется, ты лукавишь, дружок.

Если бы они захотели, то "Счет с наклейками в картинках" вполне могли бы отправиться по одному из популярных маршрутов, "Развивающие игры для детей от года до трех лет" поскольку развитие Вирту "Экспериментальная психология Учебник" нанесло тяжелый удар по индустрии туризма.

Не было ветра, чтобы разогнать "Чуковский" его.

Сухой песок под страшным жаром расплавился и превратился в тяжелое скользкое стекло.

 


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