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Art&Music: Galerie Mario Mazzoli PDF Drucken

Feine Klänge

Berlins Galerienszene ist ab sofort um eine Dimension reicher: die des Klanges.

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Denn in der Zimmerstraße in Mitte eröffnet die Galerie Mario Mazzoli mit der Ausstellung „Anlage“ als erste Galerie nur für Klangkunst.

von Irmgard Berner

Berlin, 28. März 2009. Aus einem kleinen Betonsockel am Boden schraubt sich ein Hanfseil wie eine schlanke Wendeltreppe bis unter die Zimmerdecke, ...

... anstatt Treppenstufen klemmen runde rote Lautsprecher an ihm, Schritte und Geräusche steigen real klingend von unten nach oben auf und verhallen im Raum. „See we rise“ heißt diese haptisch-spielerische Klanginstallation des amerikanischen Komponisten Douglas Henderson. Zu sehen und vor allem zu hören ist sie in der Galerie Mario Mazzoli in der Zimmerstraße in Mitte, der ersten Galerie für Klangkunst, europaweit. Sie bereichert damit die Berliner Galerienszene um eine längst überfällige Dimension: die klangliche.

ImageMario Mazzoli aus dem italienischen Modena leistet diese Pionierarbeit und beschreitet hier nicht nur konsequent die Schwelle zwischen visueller und akustischer Kunst, sondern schließt auch eine Lücke im Kunstmarktangebot. Als Sohn eines Galeristen wuchs er mit dem Kunstgeschäft auf, hat aber selbst Musik studiert und weiß, worauf er sich einlässt. Früh begeisterte er sich für experimentelle Musik, das Sammeln von Klangkunstwerken und tauchte in die Sound-Art-Szene in New York ein. Allein das Dilemma, Klangkunst immer nur einem engen Kreis von Spezialisten und nicht, wie Musik allgemein, einem größeren Publikum vorführen zu können, frustrierte ihn und die Sound-Künstler, mit denen er arbeitete. Zumal Klangkunst nicht dem herkömmlichen Verständnis von Musik und deren Vermarktung entspricht. Diese Diskrepanz möchte er mit seinem neuen Standort aufheben.

Zur Premiere zeigt Mazzoli unter dem Titel „Anlage“ vier renommierte Künstler der elektronischen Musikszene. boris d hegenbart-matsui aus Berlin ist mit der minimalistischen, leicht irritierenden Installation „Feldern“ vertreten. Auf die Flüchtigkeit unseres Hörbewusstseins weist der Amerikaner Michael J. Schumacher mit „Enemies“ hin. Als weiteres, in seiner Kritik überzeugendes Kabinettstück klingt und schweigt Agostino Di Scipios Werk „Stanze Private" (Private Zimmer): Ein zentral hängendes Mikrofon balanciert den Pegel zwischen Besuchergeräuschen und den aus Minilautsprechern in Glasflaschen entweichenden Alltagsgesprächen aus. Dieses „hörbare Ökosystem“ will bei Lärm zuhören aber erst bei Stille selbst hörbar werden.

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Anders als sonst in Galerien, können bei Bedarf die Türen zwischen den Räumen geschlossen werden – zum konzentrierten Lauschen auch ohne lästige Kopfhörer. Die Böden sind mit grauem Filzteppich ausgelegt als einzige Schalldämmung. Es sei nicht leicht gewesen, geeignete Ausstellungsräume für seine multimedialen Präsentationen zu finden, sagt Mario Mazzoli. Der Standort sei ein Glücksfall, schließlich liegt direkt gegenüber die DAAD-Galerie, ein wichtiger Kooperationspartner. Konzerte und Wettbewerbe werden das Programm ergänzen, zu jedem Stück gibt es eine Originalpartitur und zum Katalog CDs. Und die sensiblen Klangwerke regen an: Wir sollen nicht nur über unsere geräusch- und lärmgeplagte Umgebung nachdenken. Wir sollen vielmehr: feiner hinhören!

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Photos: Agostino di Scipio, Stanze Private; detail. boris d hegenbart-matsui, Feldern. Douglas Henderson, „See we rise“. Michael J. Schumacher, e-ticket. | courtesy Galerie Mario Mazzoli

Galerie Mario Mazzoli Zimmerstrasse 13, 10969 Berlin

Gruppenausstellung ANLAGE

bis 30.05., Di. - Sa. 12 – 18 Uhr


Vernissage: Freitag, 27.03.2009, 18 Uhr

 


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