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Libanesische K�nstler in der Diaspora PDF Drucken

Am anderen Ort

Zwischen zwei Welten: die Ausstellung "Out of Place - Künstler aus dem Libanon in der Diaspora" in der Galerie Nord

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"Du lebst in zwei Kulturen, hast aber keine von beiden", sagte Edward Said, der palästinensisch-amerikanische Vor- und Nachdenker des Orientalismus und Analytiker der Nahostkonflikte. Ob das wirklich so sein muss? Anhand von zwölf künstlerischen Positionen versucht die multimediale Ausstellung das Phänomen Diaspora zu durchleuchten und kommt zu erstaunlichen Bildwelten.

Video-still: Persiflage über die Erziehung junger Damen: "Fresh Fish" von Fassih Keiso

von  Irmgard Berner

 

 

 Das Konzept der multimedialen Schau entwickelte der libanesische Künstler Salah Saouli, der seit zwanzig Jahren in Berlin lebt und mit eigenen Werken hier vertreten ist. Für das Projekt versammelt Saouli Künstler aus Australien, Kanada, dem Nahen Osten und Europa mit libanesischem Hintergrund, damit sie ihre Erfahrungen mit dem Phänomen der Diaspora, des Lebens als ethnischer, kultureller oder religiöser Minderheit in einem fremden Land und im Exil aufrollen. In Malerei, Installation, Foto- und Videoarbeiten reflektieren diese zwölf Künstler persönliche und kollektive Realitäten, Missverständnisse, Vorurteile, tagtägliche Diskriminierung und Fragen der Identität.

"As if I don't fit here" - als würde ich nicht hierherpassen, so heißt denn auch die sehr direkte Video-Arbeit von Mounira Al-Solh, in der sie sich fast nackt, nur im Bikini, einer ständigen Eigenbeschau unterzieht, um ihre gesellschaftliche Position als Migrantin zu hinterfragen. Al-Solh lebt in Amsterdam und Beirut und setzt sich seit Langem mit kulturellem Nomadentum auseinander, wirft aber auch Fragen zu den Mechanismen des Kunstmarktes auf.

Medien erziehen Mädchen zu Sexobjekten

Anders der in Australien lebende Fassih Keiso: Mit satirischem Blick nähert er sich dem Thema Diaspora an, gespeist von eigenen Erfahrungen und der Überforderung am Beispiel der eigenen Familie. In seinen bunten Großfotos aus der Serie "The Life in the 21st Century" montiert er in üppig überladene Wohnräume riesige Glasgefäße, in die Menschen eingeschlossen sind, Legoflugzeuge schwirren durch die Luft, Barbiepuppen stehen in Reih und Glied, und Haustiere belagern die Sofas. Keiso zeigt Teenager aus dem Nahen Osten: Mädchen, die in der westlichen Kultur und deren Medien zu Sexobjekten werden, und Jungs, deren Kampfbereitschaft Spielzeugwaffen anfeuern. Man mag allerdings fragen, ob nicht auch arabische Medien diese Erziehung befördern.

 

Ästhetische Synergien 

Die Vielfalt der künstlerischen Herangehensweisen könnte überdies vom Thema ablenken.Aber es gelingt Salah Saouli, dem genau diese Diversifizierung wichtig war, in der Ausstellung immer wieder, die Aufmerksamkeit durch die Oberfläche der unterschiedlichen Werke in die tieferen inhaltlichen Schichten zu ziehen - vor allem auch in seiner eigenen Installation "Crossing Mediterranean" im zentralen Raum: Sieben quadratische Wachs-Flosse schweben milchig-weiß auf dem Galerieboden, in jedem ist ein Kleidungsstück eingeschmolzen als Symbol für die Boatpeople, die als Flüchtlinge aus Afrika mit ihr en überfüllten Booten so oft die rettende Küste Europas nicht erreichen. Mit dem Material Wachs bezieht er sich nicht nur auf die Ursprünge der bildenden Kunst, sondern auch auf dessen gefährliche Vergänglichkeit, denn, wird es zu warm, schmilzt es, wie die Wachsflügel des jungen Griechen Ikarus, der zu nahe an die Sonne flog und in den Tod stürzte.

Mit Kriegserinnerungen befasst sich der in Berlin lebende Libanese Mohammad-Said Baalbaki in seinen großformatigen Ölbildern. Geboren 1974, gehört er jener Generation an, die im Bürgerkrieg (1975-1990) "zwischen Bombenalarm, Angst und Eingesperrtsein" in Beirut aufgewachsen ist. Koffer und Reste der Vertreibung türmen sich wie Mauern auf seinen Gemälden, körperlose Militärjacken verharren neben schweren Stiefeln. Die erdig-pastellfarbenen Malereien Baalbakis bilden zu den Arbeiten Saoulis in dem Raum eine wunderbare ästhetische Ergänzung.

Dass zwei Kulturen - entgegen Saids Meinung - sich gegenseitig befruchten können und die Wahrnehmung schärfen, zeigt "Out of Place" subtil und bildstark.

 

Kunstverein Tiergarten/Galerie Nord, Turmstraße 75 (Tiergarten), bis 13. Juni. Di-Sa 14-19 Uhr.

 


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