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Paolo Inverni "paths" PDF Drucken

Horch', der Schnee schmilzt

Der Bild- und Sound-Künstler Paolo Inverni in der Galerie Mario Mazzoli

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Wie klingt eine Tropfsteinhöhle, was erzählt die alte Nähmaschine in einem verfallenen Haus in den norditalienischen Bergen? Der Ort ist konkret, der Klang die Erinnerung. Der Künstler Paolo Inverni sucht die Unbegrenztheit in Klang und Stille und findet vergangene, faszinierend schwebende Bilder, die weiterdauern.

von  Irmgard Berner

Berlin, Juni 2009. Sechs kleine Inselgruppen aus je drei Würfeln ankern auf dem grauen Filzboden im kahlen hinteren Raum der Galerie Mario Mazzoli. Die audiovisuellen  Installationen aus je zwei Minilautsprechern, einem Dia-Betrachter und CD-Player gleichen einem Gesicht mit zwei Ohren, das Geschichten erzählt, sechs Geschichten aus der Erinnerung des italienischen Künstlers Paolo Inverni. Man muss sich bücken, um hineinzuschauen in das Bild, um hineinzuhören in sein rätselhaftes Rascheln und Rauschen. Dünne schwarze Kabel transportieren den Klang in die hölzernen Gehörgehäuse und das Licht in die kleinen Lichtbildboxen von „recollection“ von 2009. Sechsmal derselbe Ort im Gebirge, sechsmal zu einer anderen Zeit zeigen sie Inverni und seine Familie, eingebettet in den Gleichklang eines flüchtigen Flüsterns.

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Es gibt Orte aus der Vergangenheit, die zurückkommen und einen verfolgen“, sagt Paolo Inverni und schöpft genau daraus seine Kunst. Er selbst sieht sich als Geschichtenerzähler. Seiner Neugier folgend kommt er zu einer ganz eigenen Sicht des „Hier und Jetzt“, stellt Fragen, die er offen lässt, erklärt nicht, gibt keine Antworten. Ein Bild oder Film ist für ihn nur der emotionale Auslöser, erst der Klang gibt die „absentia“, die Abwesenheit des Sichtbaren, wieder.

In seiner Ausstellung „paths“, Wege, zeigt der in Turin lebende, 32-jährige Inverni nun vier neue audiovisuelle Arbeiten. Mit Zutaten aus seinem Reservoir konkreter Orte und spezifischer Soundtracks wesensverwandter Klangkünstler wie William Basinski, Steve Roden oder Christina Kubisch, deren Klangspuren ihm den „Zugang zu seiner Erinnerung öffnen“, baut er kleine Kosmen aus fast unsichtbaren Aktionen und unbemerkten Details mit oft ironischen Krümmungen. Inverni wandert durch die winterlichen Berge, zu den Tropfsteinhöhlen, zum verlassenen Landhaus seiner Großeltern, schaut und horcht in die Natur.

ImageIn der Arbeit „Pian del Re“ fragt er sich: Wie klingt die Quelle des norditalienischen Flusses Po hoch oben in den Bergen des Piemont, wenn der Schnee schmilzt? Er nimmt den Klang der Umgebung, das Plätschern und Tropfen auf, postiert dafür das Mikrofon zwischen das aus dem Felsboden sprudelnde Quellwasser und den darüber sich wölbenden Eiskristallen, mischt danach Tracks des amerikanischen Komponisten Steve Roden zu einem „Dialog“. Er zaubert ein faszinierend suggestives Hörerlebnis, holt Knistern und Stille in den Kunstraum, und fügt das Abbild der Quelle hinzu. In Form eines Künstlerbuches mit Texten, Fotos und Audio-CD zeigt er die Spuren seiner Arbeit und legt sein Geheimnis offen: es ist die Erinnerung an ein Bild, dessen Zeit durch Klang andauert. Klang ist Zeit und Bild ist emotionaler Moment. Verbindet man beides, entsteht eine Momentaufnahme mit fortschreitendem Verlauf, ein statisches Kontinuum, gleichsam dynamisch. Sinnlich gesprochen erzählt ein Bild von einer Erinnerung, die, durch bestimmte Klänge wiederbelebt, weiterlebt.

Paolo Inverni will Orte in ihrer vergänglichen Existenz zeigen und fügt der flüchtigen Betrachtung das akustische Äquivalent des „Durchhörens“ hinzu. Auf einer seiner Wanderungen über die schneebedeckten Hänge seiner bergigen Heimat hat sich Inverni eine Kamera vor die Brust geschnallt, das Objektiv zu Boden gewandt. Er filmt das Knirschen des Schnees unter dem schweren Tritt, je steiler der Anstieg desto höher springen die Knie bei jedem Schritt. Ein steter Rhythmus aus Stapfen und Steigen, aus Schatten und Schrägen - „a possible path“, ein Video-Loop von 2009 in eindringlicher Monotonie.

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Inverni ist Naturbeobachter ohne wissenschaftlichen Forscherdrang, ein unsentimentaler Romantiker. Die vertraulichen Momente seiner Spurensuche will er mit dem Betrachter teilen, ihm die Freiheit des eigenen Blickes gewähren, einen „frischen Geist“ bewahren. Die Natur überrasche ihn immer wieder, sagt er. Der respektvolle Umgang mit der kollektiven Umgebung, der subjektive Blick, die Unbegrenztheit in Klang und Stille sind ihm wichtig. Und in der Intimität der Betrachtung seines Werkes entdeckt man dann womöglich die eigene Sehnsucht, hineinzusteigen in die tiefen Erlebnisgründe, die das uns umgebende Natur- und Urbanrauschen beseelen - und das Verlangen, mehr darüber zu erfahren.

(Dieser Artikel erscheint in ähnlicher Form in der Berliner Zeitung)

 

 photos: courtesy Galerie Mario Mazzoli

Galerie Mario Mazzoli  Zimmerstrasse 13, 10969 Berlin

Paolo Inverni "paths" 

bis 30.07., Di. - Sa. 12 – 18 Uhr

Я уже " "тогда почувствовал, что подобный самоанализ вступает в противоречие " "с моей собственной решимостью.

Но, все " "же, у Марка достаточно времени, чтобы стать могущественнее тебя.

Она подняла голову " "и улыбнулась.

Когда они " "снова проходили мимо пирамиды, борьба все еще " "продолжалась, и никто из сражающихся не собирался уступать.

Кольтер " "бросил вниз кусок коры и увидел, как извилистое тело свернулось золотисто-коричневыми " "кольцами, показав кольчатое кремовое брюшко.

Снова он " "ехал верхом и " "увидел косматую медведеподобную фигуру с поднятыми лапами.

 


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