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Vom Glück, wenn das Bild steht

"Marwan - Bis zum Ende offen", eine Lebens- und Kunstgeschichte  in Gesichtslandschaften zwischen Orient und Okzident

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"Auf die Kapitel des Lebens zurückblicken kann man erst im Alter“, sagt der Maler Marwan. Er steht zwischen seinen Bildern im Haus am Waldsee. Im Januar wurde er 75. Planen könne man die Kapitel jedoch nicht, die Unvorhersehbarkeit sei der Preis, den man bezahle. Dafür zeige sich im Rückblick der Reichtum der eigenen Identität.

von Irmgard Berner

Marwan, Photo: iberner © nurart2009

Berlin, August 2009. Identit hat bei Marwan zwei große Komponenten: die orientalische aus seiner Heimat Damaskus und die okzidentale aus seinem Leben in Berlin. Diese Identität, ihr Wesen als Seele und Subjekt zu ergründen, ist seit über 50 Jahren Gegenstand von Marwans Bilderwelt. Sie hat sich in unzähligen Ölgemälden, Aquarellen und Tagebüchern, als Köpfe, Figuren und Schriften materialisiert.

In diesen malerischen Kosmos kann man jetzt für kurze Zeit in der Zehlendorfer Villa eintauchen. „Bis zum Ende offen – Marwan, eine Retrospektive in elf Akten“ zeigt viele seiner Gesichtsgemälde zum ersten Mal in Berlin, einige stammen aus der Privatsammlung des Künstlers selbst. Ein rares Stück Kunstgeschichte als Poesie der Malerei, gespeist vom Fluss einer konzentrierten Introspektion, an der Marwan auch in Zeiten, als Malerei als unpopulär galt, standhaft an ihr festhielt. Für den Betrachter öffnen sich in seinen Arbeiten immer neue Fenster, lassen eine Welt erahnen, die aus der orientalischen Mystik auftaucht.

Diese Mystik, der Augenblick innerer Ruhe, ist die Schaffensquelle, die Marwan aus seiner syrischen Heimat in den Westen mitgenommen hat. 1934 in Damaskus geboren war er früh fasziniert von den gemalten Szenerien auf den Karren der fliegenden Obsthändler und Lastwagen. Sie inspirierten ihn, selber zu malen. ImageDas Ölbild „Jarba“ von 1947, liegt wie ein Kleinod in einer Vitrine im Obergeschoss: Ein ungestüm bewegter Himmel über hellgelben Feldern zeigt die Gegend der Heimatstadt und offenbart bereits Marwans intuitive Musikalität beim Komponieren in Farben und Linien; und wirkt wie eine Reminiszenz an Van Gogh. Die europäische Malerei war es denn auch, die Marwan 1957 in den Westen, nach Paris, aufbrechen ließ, um sich an den großen Meistern zu orientieren. Geblieben ist er in Berlin, trotz heftiger innerer Kämpfe, ob er nach Syrien zurückkehren soll. Die Kontakte in seine Heimat blieben eng, von 1998 bis 2004 unterrichtete er jeden Sommer in Amman junge arabische Künstler. In Beirut, Ramallah, Damaskus und Dubai werden seine Bilder ausgestellt.

Aus innerem Monolog

ImageOhne Titel, 2006 © Marwan
Foto: Benjamin Hasenclever

Zu verdanken ist die Retrospektive dem vor kurzem verstorbenen Mäzen Günter Braun - zu Marwans Geburtstag. Im Erdgeschoss hängen Bilder, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind. Einige der Großformate sind durchlässig gemalt, auf weißem Grund vibrieren Farbstriche locker neben- und übereinander. Diese wie große Aquarelle hinskizzierten Gesichter fallen auf neben den ansonsten düster verzerrten Kopflandschaften, die Marwan seit den 70er Jahren immer weiterentwickelt. Es sei „schwieriger, ein Bild luftig-skizzenhaft anstatt vollständig auszumalen“, sagt er. Aber jedes Bild muss „gerechtfertigt sein, glaubwürdig“. Dieser Herausforderung stelle er sich täglich: Hält sich einen Spiegel vor, nimmt sein eigenes Gesicht, neutralisiert es, indem er auf das Dahinter blickt. Augen, Wangen, Lippen; seziert, zerlegt, aufgebrochen; erneut schichtet er satte, kräftige Pinselstriche in dunkelerdigen oder hellbunten Farbtönen auf, sodass sie, entsprungen seinem „inneren Monolog“, auf der Leinwand in einen rhythmischen Dialog treten. Aber nur vordergründig füllt jedes Bild ein Gesicht, bei genauer Betrachtung öffnen sich Schichten in die Abgründe der Seele, der eigenen Existenz. Zerstörung und Schmerz begleiten ihn beim Malen genauso, wie Erotik und das Glück, wenn „das Bild steht“. Schaffen und zerstören liegen so eng beieinander, dass der Schmerz des Verlustes das Glück des Findens schneidet. Diese hochemotionale Spannung offenbart sich auch in den kleinen Gesichtsbildern. „Es ist egal ob ein Bild groß ist oder klein“, sagt Marwan, die Herausforderung sei jedes Mal dieselbe. Hart und brutal gehe er mit sich um und wisse, dass er viel kaputt mache. Alles Weitere sei Schicksal – und doch auch Glück. Marwans Schaffenskraft ist ungebrochen, die jüngsten Gemälde von 2009 strahlen sie aus. Der Rückblick wird zur Vorfreude auf das, was noch kommt.

„Bis zum Ende offen – Marwan, eine Retrospektive in elf Akten“,

Haus am Waldsee

Bis 6. 9. 2009

 

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