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Kunstnetz im Offspace

Was wurde aus den künstlerisch-ökonomischen Kaderschmieden, den Produzentengalerien?  

Das Krisenjahr neigt sich dem Ende zu, das große Kunstshoppen ist längst vorbei. Wie so vieles in diesem turbulenten Jahr gibt es auch auf dem überschaubaren Feld der Produzentengalerien eine Rückbesinnung auf ihre eigentliche Funktion: Dass junge Künstler sich in Eigeninitiative und als Produzenten fit für den Kunstmarkt machen.

von Irmgard Berner

Berlin, Dezember 2009. Das Krisenjahr neigt sich dem Ende zu, das große Kunstshoppen ist längst vorbei. Durchhalten heißt die Devise im Kunstbetrieb. Gürtel enger schnallen, denn gekauft wird nur noch, was solide und geprüft. Der Kater nach dem Kaufrausch ist zwar verschwunden, Phantomschmerz hie und da schleicht sich ob großer Verluste dennoch ein. Schlicht übernommen hat sich manch einer, verkalkuliert, verspekuliert. Galerien schlossen ihre Pforten so schnell wie sie sie öffneten, ihre Räume sind nach der Art-Party wieder zu haben. Lücken klaffen in der vor kurzem noch boomenden Szene dort, wo sie vielleicht nie richtig gefüllt waren, und wenn doch, dann schnelllebig und mit noch feuchter Kunst aus unausgebrüteter Kunstproduktion. Ernüchterung ist eingekehrt. Man kann es auch Gesundschrumpfung nennen.

Doch was ist aus den in Boomzeiten entstandenen Produzentengalerien geworden, deren Initiatoren sich in ihrer Gründungseuphorie gegenseitig anzustecken schienen, vor vier, fünf Jahren? Allein in Berlin gibt es ihre einstigen Aushängeschilder nicht mehr. Labelnamen wie Liga, Cluster, Diskus liegen nur noch als Googlekarteileichen im Netz ab. Die Brunnenstrasse als innovative Marke für eigenproduktive Kunsträume hat sich in eine kommerzielle Galerienmeile verwandelt. Diejenigen, die geschickt durchgehalten haben oder eigentlich schon immer eine „richtige“ Galerie führen wollten, haben sich umbenannt und neu aufgestellt - sie sind noch da. Und wie man hört, auch ganz zufrieden: Die Geschäfte liefen gut, Sammler, national und international, zeigten Interesse.

Die Devise lautet also: Weitermachen. Als Galerie? Bedeutet die Krise dann nicht das Aus für Produzentengalerien? War das alles nur ein modischer Trend, der auf der anschwellenden Kunstwelle ritt, mit ihr in die Tiefe stürzte, um dann doch wieder nur die ausgetretenen Pfade herkömmlichen Galeriebetriebs zu beschreiten? Wie so vieles in diesem Krisenjahr gibt es auch auf dem überschaubaren Feld der Produzentengalerien eine Rückbesinnung auf ihre eigentliche Funktion. Die besteht nämlich darin, dass junge Künstler, für die es noch zu früh ist, ein Galerieprogramm zu erfüllen, sich in Eigeninitiative und als Produzenten fit für den Kunstmarkt machen. Diese Initiativen sind meist auf zwei, vielleicht drei Jahre ausgelegt, daher von vornherein temporär. Hat das Konzept Erfolg, löst sich die Produzentengalerie auf und wird zu einer kommerziellen Galerie.

Also doch kein Trend, sondern eine Art Kunstmarkt-Testphase? Ja, und eine sehr wichtige mit Chancen und Potential. Nicht jeder Künstler ist ein Meister der Selbstvermarktung. Gelingt es ihm aber, sich mit anderen Künstlern zu organisieren, kann er sich aus den Synergien Vorteile verschaffen. Nämlich Fuß zu fassen in einem Markt des freien Wettbewerbs während die eigene künstlerische Arbeit noch reift - und diese als Teil der Arbeit selbst zu vermitteln. Dafür bieten Produzentengalerien weiterhin ein schlüssiges Modell.

Hinzuzufügen wäre: die Krise ist seit jeher Teil der Kunst, die Produzentengalerien bilden da keine Ausnahme. Nicht selten formen Krisen aber den Boden für neue Denk- und Kunsträume: So sehen das auch die Künstler der Produzentengalerie „Stedefreund“ in einem Hinterhoflagerraum in der Dorotheenstrasse in Berlin Mitte. Deren Devise lautet beispielhaft: Kunstvernetzung. Gibt es keine geeigneten Räume, dann stellen die Künstler eben in ihren Wohnungen aus. Und vernetzen sich mit anderen – für Synergien. Die Offspaces sind im Kommen!

Dieser Artikel erschien auch in theeuropean.de

 


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