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Malerei: Corinne Wasmuht PDF Drucken

Das ultimative Mega-Bild

Im Sog der Malerei: Corinne Wasmuht im Haus am Waldsee

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Ein Jahr lang nur malen. Das hat sich Corinne Wasmuht vorgenommen. Der gefragten Malerin und Kunstprofessorin blieb in den letzten Wochen kaum Zeit dafür. Der Grund: das Haus am Waldsee hat, zusammen mit der Kunsthalle Nürnberg, eine der seltenen Einzelausstellungen der Künstlerin ausgerichtet. „Supracity“ heißt die Schau, die Wasmuhts polychrom flirrende Riesengemälde in der Zehlendorfer Villa zum Strahlen bringt.

Corinne Wasmuht: Pathfinder, 2002, Öl auf Tafel

von Irmgard Berner

 

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Berlin, Dezember 2009. Man kann sich ihnen kaum entziehen, diesen Farbchoreografien und bühnenhaften Tiefenräumen. Zu unmittelbar entfalten sie ihren hypnotischen Sog, ziehen einen in imaginäre Tunnel, über rasende Autobahnen, in Kristalllandschaften fremder Planeten. Und zwingen zum Innehalten, so wie die Bilder selber ein Innehalten, Momentaufnahmen ferner und doch so naher Sehnsuchtsorte sind.

Betrachtet man diese ausgefeilten, akribisch durchkomponierten Raumutopien, dann versteht man, warum Corinne Wasmuht pro Jahr nur ein bis zwei davon malt. Die in Argentinien aufgewachsene und an der Düsseldorfer Akademie ausgebildete Mittvierzigerin beherrscht nicht nur ihr Handwerk in höchster Kunst, sondern besticht durch die Zähmung des multivisuellen Irrsinns unserer Zeit. Und das in altmeisterlicher Manier mit Pinsel und Ölfarbe auf Holztafeln. ImageSchon in dem frühen, 1989 gemalten Bild „Feuer“ treibt sie ihr Spiel mit der multiperspektivischen Komposition. Sie habe darin versucht, „das Flackern des Feuers zu zerstückeln und neu zusammenzusetzen. Durch die Aufdröselung des Raumes entsteht eine Bewegung, eine Irritation, die für mich das war, was zwischen den Zeilen beim Sehen eines Feuers passiert.“ Also das Unsichtbare sichtbar machen. So arbeitet sie immer noch, nur dass Kompositionen und Motive im Lauf der Jahre komplexer wurden. In den Gemälden „Raupen“ von 1995 oder „Spiegelraum II“ von 1997 vertieft sie sich in die Mikrowelten von Insekten und deren Verdauungssysteme oder zerstückelt 1999 in „Menschen im Kunstlicht“ die Malfläche in unzählige Glaskristalle, in die sie grellbunte Köpfe und Hände einsperrt.

Der Rückblick über die 20 Schaffensjahre zeigt sehr deutlich die Entwicklung in Wasmuhts Malerei – und wie weit sie bisher gekommen ist. Ab 2000 beginnt sie, die hermetische Rasterung und penible Motivzersplitterung aufzubrechen. Lichtreflexe lösen sich von spiegelnden Oberflächen, von Pfützen, Fenstern, Autodächern und verdichten sich zu neuen Geweben, die sich wiederum als durchlässige Membrane auf Gebäudefragmente, Straßen oder hell leuchtende Himmel legen. Das ursprüngliche Spiel mit dem Feuer wird nun zu einem Spektakel von Licht und Überblendung.

Den Vorwurf der Überforderung musste Wasmuht sich gefallen lassen, wie sie sagt, aber: „Diese Überfüllung hat mit unserem Alltag zu tun. Wir werden ja von Bildern bombardiert, man zappt, schaut ganz locker mehrere Fernsehprogramme gleichzeitig und stellt das nicht mehr in Frage.“ Im Gegensatz zum kleinen Bildschirm, den man immer unter Kontrolle hat, entfalten ihre Großformate aber eine monumentale Wucht, frieren die flimmernden Parallelwelten kraftvoll ein und erzeugen beim Betrachter eine Mittendrin-Wahrnehmung. „All-over“ nennt Wasmuht diese Körperlichkeit - man muss sich schon wegdrehen, die Augen schließen, um diesen überbordenden Bildern zu entrinnen.

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Früher verwendete sie Bildvorlagen aus den Medien und collagierte sie. Inzwischen fotografiert sie alles selber und generiert ihre virtuellen Realitäten am Computer. Zentralperspektiven mit ineinander geschobenen Fluchtpunkten, verschachtelte Koordinatensysteme, sich verjüngende Lichtpunktraster simulieren Unendlichkeiten und bergen Überraschungen. Das Bild „703“ hat Corinne Wasmuht für die lange Ausstellungswand im Querraum des Erdgeschosses konzipiert. Die Zahl bezieht sich auf die Länge des Formates. Das aufgebrochene Panorama gleicht einem Cinemaskop, das mehrere Bühnen gleichzeitig öffnet, teils klar konturiert, teils verschwommen oder vom Weiß des Untergrunds überstrahlt: links ein schilfbewachsenes Ufer mit ephemeren Figuren, verschnitten mit pixelig aufgelösten Straßenszenen in Madrid und Paris, quergeschnitten von liegenden, zerrinnenden Figuren rechts. Wie ein Buch Zeile für Zeile kann man ihre Bilder Schicht für Schicht lesen. Das erfordert einen langen Blick, so lange, bis sich die eigene Netzhaut im Bild zu spiegeln scheint. „Supracity“ ist zur Superlative verdichtete Malerei. Will man Corinne Wasmuht jedoch Glauben schenken, so ist jedes einzelne dieser Gemälde nur ein weiterer, frustrierender Versuch auf dem Weg zum ultimativen „Mega-Bild“. Hätte sie es gefunden, wäre es ihr letztes, sagt sie. Gut, dass sie es – noch - nicht gefunden hat.

Haus am Waldsee, bis 21.Februar 2010

Photos: ©iberner | nurart.org

Corinne Wasmuht

 

1964

geboren in Dortmund
lebt in Berlin

1983-1992 Studium an der KunstakademieDüsseldorfStudium an der Kunstakademie Düsseldorf
1988 Meisterschülerin bei Alfonso Hüppi an der Kunstakademie Düsseldorf
2002-2003 Gastprofessur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhev
2006 Professur für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
 


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