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Sculpture Berlin PDF Drucken

Objekte nach Maß

Gefragtes Unternehmen: „Sculpture Berlin“

Drei Bildhauer haben sich auf die Umsetzung von künstlerischen Projekten spezialisiert. Mittlerweile ist das Unternehmen in der Branche sehr gefragt. Tische, Hocker, Stühle, Böcke, Regale und Arbeitsplatten erwarten einen, wenn man die geräumige Werkstatt betritt. Fast überall wo noch ein freier Platz ist, stehen Abgüsse, Gipsformen, Modelle oder Elemente aus Styropor. Dazwischen Werkzeuge, Bohrmaschinen, Spachtel, Pinsel, Messer, tonnenweise Kunstharz, Kanister voller Verdünner und Eimer mit Silikon. Hinten, an der Wand, türmen sich die Überbleibsel einer riesigen Skulpturenlandschaft.

von Johannes Bock

Berlin, Januar 2010. Wie Bruchstücke von Eisschollen sind die Styroporteile übereinander gestapelt. Dazwischen schauen die Köpfe antiker Statuen von ihren Sockeln herunter, während kopflose Schaufensterfiguren stumm auf ihre Vollendung warten. Mittendrin, auf den ersten Blick kaum zu erkennen, arbeiten drei Männer. Sorgfältig und konzentriert bestreichen sie die etwa 40 cm großen Gipsformen, die auf den Arbeitstischen vor ihnen liegen, mit Epoxidharzmasse. Zwischen Fotos und Modellen, Werkzeugen und Skizzen, liegen weitere Formen zum trocknen aus. Kein Zweifel – hier wird gearbeitet.

Auf ca. 450 Quadratmetern Grundfläche erstreckt sich der Arbeitsbereich des Unternehmens Sculpture Berlin um die drei Bildhauer Christian Maier, Quirin Bäumler und Dominik Bednarek. Hier in den Uferhallen Wedding, einer ehemaligen Buswerkstatt der Berliner Verkehrsbetriebe, hat sich in Windeseile eine große Künstlergemeinschaft gebildet. Aufgrund der preiswerten Mieten und des großzügigen Raumangebotes finden sie dort ideale Bedingungen vor. Ateliers für Bildhauer und Maler, Büros für Designer oder Proberäume für Tanzcompanien, fast alles hat Platz. Die Namen bekannter Künstler befinden sich an den Briefkästen, wie etwa Monica Bonvicini oder John Bock. Auch Jonathan Meese, Valerie Favre und andere Größen der Kunstszene haben dort ihre Ateliers bezogen. Für Sculpture Berlin ist das der ideale Standort.

Das erst wenige Jahre alte Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Plastiken und Skulpturen anzufertigen. Dabei verarbeiten sie fast jedes Material. Holz, Styropor, glasfaserverstärkte Kunststoffe und sogar Granit, wenn es sein muss. Aufträge in fast jedem Umfang können sie bearbeiten, egal ob es sich um einzigartige, riesige, tonnenschwere Plastiken oder kleine Serienproduktionen von Abgüssen handelt. Wenn die Zeit drängt, oder eine spezielle Technik gefragt ist, holen sie sich Hilfe von Kollegen. Wie sie selbst, sind auch ihre Kunden zu 90 Prozent Künstler. Das ist ein Vorteil, denn manchmal existieren von einem Kunstwerk nur Skizzen oder grobe Vorstellungen. Die Männer von Skulpture Berlin sind dann in der Lage, die Projekte künstlerisch mit zu entwickeln. Sie setzen sich mit dem inhaltlichen Konzept auseinander und machen Vorschläge für dessen Umsetzung. Das kommt bei den Auftraggebern gut an.

Wirklich so geplant war das jedoch nicht. Christian und Quirin kennen sich bereits seit über 20 Jahren. Ihre Karrieren begannen eher klassisch. Erst Bildhauerausbildung, später Kunststudium in Braunschweig. Hier lernten sie Dominik kennen und bearbeiteten fortan zu dritt erste kleine Aufträge.

Mit dem Umzug nach Berlin traf das Trio dann genau die richtige Entscheidung. Nach und nach fanden sie ihren Markt. Die Initialzündung für ein gemeinsames Unternehmen erfolgte jedoch erst durch einen Großauftrag des Künstlers Andreas Hofer, vor etwa 4 Jahren. „Damit konnten wir zeigen, was möglich ist. Aus dieser Arbeit entstand dann die erste gemeinsamen Werkstatt.“ erzählt Quirin Bäumler. Vom kleinen Loftatelier, über die Hinterhofgarage, bis zur großen Werkstatthalle ging es dann sehr schnell. Mittlerweile ist Sculpure Berlin eine feste Größe in der Berliner Kunstlandschaft. Viele, der dort gebauten Objekte entstehen für Museen oder Ausstellungen. Die riesigen, etwa 9m großen und bis zu 1,5 t schweren Ellipsen von Katharina Grosse, waren in der Temporären Kunsthalle Berlin zu bewundern und der „Wobbling Tree“, der koreanischen Künstlerin Koo Jeong A, hat es bis zur Biennale nach Venedig geschafft. Daneben helfen die drei Künstler aber auch Kollegen weiter, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen. So geben sie beispielsweise kostenlose Tipps weiter oder leisten Hilfestellungen bei der Umsetzung von Ideen - eine Investition in die Zukunft.

Aber funktioniert das Vorhaben auch wirtschaftlich? Domink Bednareks Mine wird eine Spur ernster: „Na ja...obwohl wir Künstler sind, haben wir mit Sachen zu tun, mit denen auch ganz normale Unternehmer ständig zu kämpfen haben, wie zum Beispiel Widerstände von Behörden oder Steuern bezahlen. Da nimmt keiner Rücksicht auf unsere spezielle Situation.“

Die Konkurrenz auf dem Berliner Kunstmarkt ist groß. Sich in diesem Bereich zu behaupten ist nicht einfach und erfordert ein gutes Konzept. Das scheint bei Sculpture Berlin zu stimmen. Mit ihrer Geschäftsidee besetzen die drei Initiatoren der Werkstatt erfolgreich eine Marktnische. Die gute Vernetzung mit anderen Künstlern innerhalb der Branche, ermöglicht es ihnen Aufträge zu bekommen und mit größtmöglicher Flexibilität zu bearbeiten. Auch wenn 2009 ihr bisher erfolgreichstes Jahr war, traut man sich auch bei Sculpture Berlin keine längerfristigen Zukunftsprognosen zu. Der Kunstmarkt schwächelt und die großen Auftraggeber, wie Museen, müssen immer öfter Budgetkürzungen hinnehmen. Die drei Künstler und Unternehmer behalten deshalb Bodenhaftung. „Ein Patentrezept zum Überleben gibt es nicht…“ erklärt Christian Maier zuversichtlich „…das Wichtigste ist, dass man das, was man tut, mit Leidenschaft und Energie betreiben muss.“

Photos: Johannes Bock

www.sculptureberlin.com

 


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