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Lentos - Asta Groeting PDF Drucken

Verführung durch das Triviale

Asta Gröting im Lentos in Linz

Verdauungssysteme aus Glas, der Makroorganismus Körper als filigrane, überdimensionierte Skulpturen, Insektenlarven, Kartoffelreihen aus Chrom. Das bildhauerische Spektrum der deutschen Künstlerin Asta Gröting verblüfft nicht nur durch seinen Formenreichtum.

von Irmgard Berner

Materialien wie Styropor, Autoreifen, Lederjacken, Hanfseil oder mechanische Geräte benutzte sie schon in ihren frühen Werken. Bei aller Freiheit sind es anfangs vor allem die klassischen Bildhauerthemen, die die 1961 in Herford geborene Künstlerin seit den frühen Achtzigern umtreiben – der Stoff, das Licht, die Bewegung, in Transparenz und Auflösung. Die Motive von Asta Grötings oft raumgreifenden Arbeiten sind aber immer auch Introspektionen. Ab 1993 findet sie dafür ganz neue Wege: Mit der Serie der „Inner Voices“ betritt sie das Genre der Kleinkunst, das in der bildenden Kunst bisher keinen Platz hatte. Menschen, Tiere, Handpuppen werden zu bewegten Skulpturen in ihren Videoarbeiten.

In der bisher größten Einzelausstellung stellt das Lentos, Kunstmuseum Linz, die Künstlerin mit Skulpturen und Videofilmen aus den letzten 20 Jahren vor. Die Gesamtschau zeigt, dass Gröting sich weit über die anatomischen Vorgänge im Innern der Lebewesen interessiert: Denn die formale Auseinandersetzung mit den inneren Räumen des Körpers impliziert neben dem physischen auch das psychische Erleben, tangiert das innere und äußere Sehen, die Imagination und Wahrnehmung. So reproduziert sie das „Verdauungssystem eines Haies” 1990 in Glas oder übersetzt den „Schlund”, ein nicht eindeutig als menschlich oder tierisch definierbares Organ aus pinkfarbenem Silikonkautschuk, 1992 ins Riesenmaß. Daneben stehen raffinierte, augenzwinkernde Schöpfungen wie die „Hochintelligente, Superschlanke Skulptur” von 1999. „Ein elegantes Werk“, nennt es die Kuratorin und Lentos-Direktorin Stella Rollig.

Ab 1993 treibt sie die Innensicht in ihren Arbeiten so weit, dass sie selbst die Stimme aus dem Körperinneren kommen lässt. Komisch, tragisch, ironisch ist die fortdauernde Videoserie „Die Innere Stimme“, in der Asta Gröting mit internationalen Bauchrednern, so genannten Ventriloquisten, zusammenarbeitet. Das skulpturale Objekt bleibt nur noch die Puppe, die die Künstlerin ein Mal entwirft und ab dann auf den Schoß verschiedener Bauchredner setzt. 2003 arbeitet Gröting in dem in Wien entstandenen Video „Dead Air” erstmals mit einem professionellen Textautor zusammen, dem Engländer Tim Etchells. Bis dahin schreibt sie ihre Texte selber. Seit dieser Aufführung und ersten Version von „Dead Air”, bevorzugt Gröting die Live-Performance gegenüber der früheren Produktion für die Kamera - wobei sie die Performances weiterhin für die Verbreitung als Video dokumentiert.

Misstrauisch gegenüber vordergründiger Schönheit flirtet die an der Düsseldorfer Akademie ausgebildete Künstlerin lieber mit dem Hässlichen, welche sie als eine Art von Schönheit empfinde. Sie interessiere die Verführung durch das Triviale, die Kirmes-Ästhetik, die Geschmacksverletzung. „Bauchreden ist schlechter Geschmack. Doch wenn ich mir vorstelle, ich müsste mich als Künstlerin ausschließlich mit Skulpturen beschäftigen, macht mir die Welt der Bauchrednerei einfach bessere Laune, weil sie vitaler, kommunikativer und vom Kunstzusammenhang nicht so belegt ist. Ich konstruiere so leichter offene Bilder für die Themen, die mich interessieren.“

Asta Gröting. Skulpturen und Video 25. Februar - 9. Mai 2010

LENTOS, Linz

Lentos Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1
4020 Linz

Tel.: +43 732 7070 3600 bzw. 3614
Fax: +43 732 7070 3604
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