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Volker März, Galerie Tammen PDF Drucken

Wie eine Blume auf der Müllhalde

Volker März und Sarah Haffner in der Galerie Tammen, bis 24. April

Berlin, März 2010. Nackt, helle Haut, schwarze Haare. Rote Ohren, rote Nippel, Pistole in der Hand. Und nicht größer als eine Puppe. Das ist Kafka. Der nackte schießende Kafka ist die Ikone des Künstlers Volker März. Er hat ihn mitgenommen nach Israel, hat die Tonfigur an den Strand von Tel Aviv gelegt und sie zum Checkpoint an der Grenze zu Gaza getragen, wo ihn die Soldaten natürlich aufhielten. In der Wüste Negev dann ist Kafka alias März so irritiert von tief fliegenden Kampfflugzeugen, dass er ein Kamel erschießt. Natürlich nicht wirklich. Aber absurd, heiß und hochpolitisch ist die Geschichte dennoch.

von Irmgard Berner

Kafka ist auf dieser – wirklichen - Reise 2009 so etwas wie das Alter Ego des Künstlers geworden. Und nun steht er, 30 Zentimeter groß, ganz brav und aufrecht auf einem weißen Sockel, nackt und mit der Pistole in der Hand, in der Galerie Tammen, die Volker März mit „One Artist Shows“ eine Ausstellung ausrichtet. Aber irgendwie fremd und noch nackter steht K. da, als fehlten ihm der Sand unter den Füßen und der blaue Himmel, aus dem er gerade heruntergefallen ist. Zum Glück hockt im Raum nebenan Kafkas eigenes Alter Ego, der kleine Affe Herr Rotpeter aus dem „Bericht für eine Akademie“ des echten Herrn Kafka.

Volker März erfindet gerne Geschichten, politische Geschichten. Er hat das Leben des Franz Kafka einfach weitergedacht, ihn weiterleben und nach Palästina rudern lassen, wo er heute mit 124 Jahren in Tel Aviv lebt. Fotografiert und aufgezeichnet hat er dieses Leben in dem kleinen Buch „Kafka in Israel“. „Fortschreibung“ nennt März diesen Vorgang des Weiter- und Weitererzählens und materialisiert die Figuren, die aus der Narration entstehen, in Ton. Ursprünglich entstanden sie für Performances, mit Nietzsche fing alles an.

In der Galerie steht Kafka deshalb in guter Gesellschaft und in Reichweite von Hannah Arendt und Walter Benjamin, Figuren, über die Volker März schon ganze Zyklen gemacht hat. Sie tauchen auch in der neuen Serie „Being a Window“ wieder auf. März erweitert die Reihe puppengroßer Skulpturen auf kniehohen Sockeln diesmal mit Allegorien wie der „Ironie“. Jede von ihnen balanciert eine überdimensionale Glasscheibe in ihren Handkuhlen. Sie symbolisieren die Fenster, die dem Künstler März den Blick in die Welt öffneten. „Ironie“ ist die größte unter diesen Kleinmenschen, sie trägt einen knallorangenen Herrenanzug und stützt die Glasscheibe mit ihrer aus dem Mund gestreckten Zunge. Sie alle verbindet der gleiche stoische Gesichtsausdruck, die gleiche raue Oberfläche, so als wären sie dem Genlabor für Homunkuli entstiegen, deren Stammzellen allerdings aus gebranntem Ton bestehen.

Das einfache Material bildet die irdene, fragile Essenz von März’ Figuren. Wie manisch muss er sie kneten, betrachtet man die Scharen, ja Populationen, die seine Installationen bevölkern. An dünnen Metallstangen hängend ragen sie aus der Wand wie die „Kafkallerina“ im blauen Ballett-Tütü oder stehen knöcheltief im Wasser in einer durchsichtigen Plastikwanne und bespritzen sich als Springbrunnen. Seine Figuren sind wie Schauspieler in einem Reich, das der Kinderphantasie entsprungen scheint. „Der Kinderblick des Erwachsenen“, wie er es nennt - oder „Denken ohne Geländer“ wie Hannah Arendt sagt, die von März gerne zitiert wird. Er gibt auch zu, dass er gar nicht aufhören kann, diese „Verpuppungen von menschlichen Aggregatzuständen“ immer wieder neu zu kneten. Und mit ihnen als nächstes bis nach Afrika zu reisen. Ganz aktuell steht denn auch eine Afrikanerin, groß, dunkel, nackt und führt einen kleinen weißen Mann an der Hand: „Afrika zeigt Europa den Weg aus der Diktatur der Zeit“ nennt er das ungleiche Skulpturenpaar und beginnt damit eine Serie, in der er über das Dasein auf dem schwarzen Kontinent philosophiert – natürlich in Ton.

Eine wahre Reizfigur für Volker März ist Joseph Beuys. Auf der weißen, blanken Galeriewand wuseln graue Hasen mit roten Kreuzen auf dem Rücken, Beuys mit Hut und kleine Studenten mit hohlen Köpfen. „Beuys in seiner Klasse“ heißt die Versammlung. Die Miniaturen haben fadenartig langgezogene, knallrote Nasen, die sie wie Stachel in den Himmel strecken oder damit wie Fühler über den Boden tasten. Volker März prangert darin den Führeranspruch des ewig monologisierenden Künstlers an, der sich sein Leben lang in seiner fiktiven Opferrolle versteckt habe. Schon oft ist er mit seinen Arbeiten auf Widerstand und Ablehnung gestoßen, die Schau bei Tammen aber gibt viel Anlass zum schmunzelnden Staunen über seinen kreativen Zynismus.

Schafft man es, sich von dieser ironisch-politisch aufgeladenen Kleinmenschenwelt zu lösen, so kann man sich in den hinteren Galerieräumen in der bläulichen Sachlichkeit der Malerin Sarah Haffner abkühlen. Zum 70. Geburtstag zeigt Tammen ihre großformatigen Pastellgemälde mit Portraits und Berliner Straßenmotiven, die zwischen Realismus und Abstraktion changieren.

Aber zurück zu Volker März, und noch ein letzter Blick in das Kabinett der zierlichen Pina Bausch. Viele kleine Tonklone der berühmten Choreografin im weißen Tanzhemdchen verharren in Drehbewegung - März will auch sie politisieren, so wie schon Kafka. Natürlich anders. Aber die Geschichte schreibt sich gerade fort: Pina Bausch ist in den Besetzten Gebieten des Westjordanlandes gelandet und wandert wie eine Somnambule durch palästinensische Flüchtlingslager. Ihr Schöpfer März stellt sie sich als Blume auf einer Müllhalde vor - ein kitschiges Bild, wie er zugibt, aber genau das reize ihn.

GALERIE TAMMEN 12. März bis 24. April

ÖFFNUNGSZEITEN | OPENING HOURS: DI - SA 12.00 - 18.00 UHR

Friedrichstrasse 210, Am Checkpoint Charlie, D-10969 Berlin

Мне "Жизнь начинается с себя" нужно думать и о других участниках "Бунтарка Клиент всегда прав" пьесы.

Говорят тебе через эту "Крещенные кровью" штуковину невозможно "Альбом Эрмитаж Часы Павлин" пролезть!

Точнее, собрал тебя из разных "Психология лжи" частей; в данном случае "ЕГЭ 2012 Биология Тематич. тренир. задания" это одно и то же.

По-моему, "Комнатные лианы" так будет разумнее всего, "Стальное колечко Сказки Рассказы Повести" сказал Драм.

Делай что "Говорим по-японски" приказано, или сам окажешься в "Новейший нем.-рус., рус.-нем. словарь" куче мертвецов.

Ахмед сказал, что это были наемные рыцари и полукровки.

 


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