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Bleiben Sie uns gewogen

"Schenkung mit Bedingungen", eine Kultursalondebatte über das Zusammenspiel von privaten Sammlern und öffentlichen Museen

Berlin, April 2010. Seit einem Jahrzehnt befinden wir uns im 21. Jahrhundert, und Berlin mit seinem imposanten Kulturpotential hat noch nicht mal ein Museum des 20. Jahrhunderts. Die Zeit läuft, und Sammler, die ihr Lebenswerk der Öffentlichkeit, sprich den Museen übergeben, ja sogar schenken wollen, werden im Alter von 80 Jahren langsam ungeduldig.

von Irmgard Berner

photo: Leonor Fini, Zwei Frauen / Due Donne, 1939. (Öl auf Leinwand, 34 x 24,5 cm), Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch
© VG Bild-Kunst Bonn 2009

Bei den bekannten Planungszeiten der öffentlichen Hand von zehn Jahren und mehr ist das verständlich. Wenn die Museen überhaupt Geld für konkret umsetzbare Pläne und Erweiterungsräume hätten. Denn es fehlt an Raum für all die Kunstschätze aus privaten Sammlungen, die der Stadt bald zufallen könnten.

Nicht aber fehlt es an Impulsen: „Schafft Voraussetzungen!“ ruft Kunstsammler Heiner Pietsch, knapp 80 und fit wie ein Turnschuh’, in die erlesene Kultursalon-Runde im Roten Salon der Volksbühne, zu der Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, eingeladen hatte. Pietsch kann - wie jüngst die „Bilderträume“-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie bewies - eine der feinsten Surrealismus-Kollektionen sein und seiner Frau Lebenswerk nennen. Und er möchte dieses wunderbare Konvolut, da kinderlos und ohne Erben, den Staatlichen Museen zu Berlin schenken. Geknüpft allerdings an die Forderung, dass die Stiftung die Räume dafür schaffe. Vorschläge bringt er gleich mit: Entweder bekommt die Neue Nationalgalerie einen Erweiterungsbau oder die Gemäldegalerie zieht auf die Museumsinsel und die Kunst des 20. Jahrhunderts am Kulturforum ein. Dann wäre das Ensemble endlich wieder ein Kulturmagnet.

„Schenkung mit Bedingung“, lautet also das Thema und „Über das Zusammenspiel von privaten Sammlungen und öffentlichen Museen“ die Arbeitshypothese - weit gefasst und doch konkret. Denn eine Sammlung wächst und „Irgendwann stößt man auf die Frage, wohin mit ihr?“ sagt Erich Marx, der, bald 90, als erster Sammler in Berlin durchgesetzt hat, dass seine Warhols, Rauschenbergs und die hochkarätige Werkgruppe von Beuys im Hamburger Bahnhof eine dauerhafte Heimstatt finden. Er habe bereits alles vertraglich geregelt und Norbert Zimmermann, Vizepräsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, nickt dazu. Zimmermann vertritt nicht nur die institutionelle Kulturseite in der Runde und bestätigt, dass bereits in die von Pietsch vorgeschlagene Richtung verhandelt werde, sondern er spricht vor allem als Jurist: „Wichtig seien relativ ernst gemeinte Verträge“ – im Ernst relativ! Die juristisch winkelzügige Formulierung wird auch direkt im Publikum mit Gelächter goutiert. Handele es sich allerdings um Erben als Vertragspartner, relativiert Zimmermann sogleich, mache man so richtig ernst. Im Klartext: man wolle mit den schenkungswilligen Gebern klare Absprachen machen. Erben hätten meist ja doch ein minderes Interesse an den Sammlungen als der Sammler selbst, der ja nicht nur viel Geld sondern auch sein Herzblut in die zusammengetragenen Werke gegossen habe. Klare Absprachen, allerdings keine zu große kuratorische Einflussnahme der Sammler hält auch Thomas Köhler, neuer Direktor der Berlinischen Galerie, für unumgänglich. Er habe schon erlebt, dass eine Leihgabe plötzlich aus einer Ausstellung verschwand, weil der Eigentümer sie verkauft hatte. „Deswegen bin ich gegen Leihgaben!“ entgegnet Heiner Pietsch, „geschenkt ist eben geschenkt. Wir wollen die Werke doch nur in guten Händen wissen.“ Aber er könne ja auch mit Dresden verhandeln. „Bloß nicht Dresden!“ ruft Alice Ströver und plädiert am Ende an alle für einen produktiven Umgang und an die Sammler: „Bleiben Sie uns gewogen.“

photo: v.l.n.r.: Udo Kittelmann, Prof. Dr. Christina Weiss, Luise Köhler, Bundespräsident Horst Köhler, Ulla Pietzsch, Heiner Pietzsch und Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Parzinger. Foto: David von Becker

 


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