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Olafur Eliasson PDF Drucken

Die Magie der Desillusion

Kunststar Olafur Eliasson verwandelt im Berliner Martin-Gropius-Bau Licht und Luft zu Lampen und Lockungen

Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Rationalität und sinnlicher Imagination, zwischen Natur-wissenschaften und zweckfreier Kunst. Lichtspiele und Spiellichter, Sonne, Licht und Luft – Naturphänomene, die uns umgeben, draußen in der Stadt und drinnen im Kunstraum. Alles, was wir je im Physikunterricht gelernt, aber vielleicht nie verstanden haben - in Olafur Eliassons kosmischem Reich können wir es sinnlich erleben. Und manches auch verstehen.

Olafur Eliasson, photo: iberner © 2010; Mikroskop, 2010. Gerüst, Spiegelfolie, Aluminium / Scaffolding, mirror foil, aluminium 17,7 x 18,5 x 27,1 m

von Irmgard Berner

Berlin, 28. April 2010. Er liebt die Farbe gelb. An diesem Tag trägt Olafur Eliasson ein zitronengelbes Hemd zum schwarzen Anzug. Eine ebenso gelbe Klarsichtfolie hängt quer durch die ganze Halle, trennt den einen Teil in seiner jeweiligen Tageslichtfarbe von der anderen Hälfte, die immer in dieses alles etwas schmutzig machende Gelb getaucht bleibt. Steht man auf der anderen Seite der Folie, verhält es sich naturgemäß genau umgekehrt. Einfach und selbsterklärend. In gelb-orangenes Licht getaucht ist auch der raumfüllende Tisch mit dem Pappplanetarium aus Eliassons Kunstwerkstatt. Das Licht wirkt hier allerdings mehr wie das schummrige Schmutzgelb aus den alten Straßenlaternen zu DDR-Zeiten.

"Innen Stadt Außen" heißt denn auch die erste große und lange vermisste Einzelausstellung im Martin-Gropius-Bau zu Berlin. Olafur Eliasson beabsichtigt mit den hier eingerichteten Arbeiten gleichsam, die Stadt ins Museum zu holen, aber genauso die Kunst in die Straßen zu setzen.

Nebelkammern und Spiegelkabinette, Sphären und Prismen. Das Großraumzauberpanorama des dänisch-isländischen Künstlers fasziniert auf den ersten Blick. Man kann durch ein schwarzes Reich mit aufblitzendem Spiralregen wandern oder über einen Laufsteg aus Berliner Pflasterplatten stöckeln. Spätestens auf den zweiten Blick entpuppt sich der lichtzuckende Wasserstrahl in der Dunkelheit als ein sich von der Decke drehender durchsichtiger Schlauch, zackig aufgehellt von einem Stroboskop. Der Zauber des steinernen Laufstegs besteht einzig darin, dass er im Kunstraum des Museums fremd, clean und eben wie ein Kunstwerk wirkt.

Die gebrochen leuchtenden Sphären legen die Glühbirne in ihrem Innern offen, die Magie des aus dem Nichts auftauchenden, sich drehenden und selbst auffressenden Lichtkreises entlarvt man bald als Lichtstrahlprojektion aus einem Beamer auf einen aufgehängten Ring. Ob man sich als Betrachter vorgeführt vorkommt, oder sich vor dem Künstler ob seiner transparenten, nur vordergründig rätselhaften Vorführung verbeugt, ist da noch nicht so klar.

Allein der Gang durch die Nebelkammern mit ihren im dichten Nebel sich kontinuierlich verändernden Lichtfarben wirft den Besucher aus der Balance, im Taumel stößt er plötzlich gegen eine Wand oder einen anderen Besucher. Hier überzeugt denn doch die Wirkungsmacht, die dieser Künstler schafft, zu kreieren.

Photos: iberner | nurart2010. Schattenspiele und Lichtrampen, Nebelkammer und Lichtring

photos: Olafur Eliasson Model room, 2003 Holz, Modelle, Maquetten, Prototypen in verschiedenen Materialien / Wood, mixed media models, maquettes, prototypes Maße variabel / Dimensions variable Olafur Eliasson in Zusammenarbeit mit / in collaboration with Einar Thorsteinn Photo: Jens Ziehe Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2003 Olafur Eliasson. New Berlin Sphere, 2009 Edelstahl, farbiges Glas, Aluminium, Gluhbirne / Stainless steel, coloured glass, aluminium, bulb : 140 cm Photo: Jens Ziehe Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2009 Olafur Eliasson

 


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