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Allee Katzen

Oder: Nachts sind nicht alle Katzen grau

Zu diesem Schluss kommt man, sobald man sich mit Christof Maschers Malereien auseinandersetzt. Die Galerie Michael Janssen zeigt die erste große Einzelausstellung des jungen Künstlers.

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Bilder: "Alley Cat(s)", 2010, Wasserfarbe, Öl auf Holz, 200 x 300 cm | Christof Mascher © ibe | "Street Cats", 2010, Tusche auf Papier. Courtesy Galerie Michael Janssen

von Irmgard Berner

Vorschau: Im Sommer 2011 wird die Kunsthalle Emden seine Werke zeigen.

Berlin, Oktober 2010. Sie haben Namen wie „Wise men can’t dance“, „Midnight Creatures“, „Death Mask Cake“ oder „Alley Cat“. Was nach Songtitel klingt, sind Wortspiele, denen Christof Mascher sich mit Vorliebe hingibt, wenn es um die Titelgebung seiner Gemälde geht. Nicht von ungefähr, denn der in Hannover 1979 geborene Künstler hat seine Wurzeln im Hip Hop, im Graffiti, in der Street-Art. Dieser Rhythmus schwingt noch nach in seiner Bildsprache, subtil, sublim, auf erhabene Art verfeinert.

In der Galerie Michael Janssen kann man jetzt sehen, zu welcher Bildwelt Christof Mascher gefunden hat und woraus sie sich speist, nachdem er als Teenager in den Neunziger Jahren nachts durch die Strassen gezogen ist und auf Mauern und Wänden seine Zeichen und Bilder hinterlassen hat. Es sind immer Räume, die er auf die flachen Bildträger, mal im Großformat, mal als Miniatur auf Holz oder Papier mit Ölfarbe und oft mit Schellack zaubert. Phantasieräume wie auf einer Tauchfahrt durch Landschaften und fantastische Architekturen, wie Stilleben bestückt mit Möbeln und Versatzstücken. Bühnen, auf denen die Phantasie des Betrachters zu spielen anfängt und sich in den Schichten, Lasuren und Zäsuren gerne verlieren darf. Streunend und flanierend, wie ein Landstreicher.

„Alley Cat“, oder streunende Katze und noch viel anrüchigeren Konnotationen, heißt denn auch das für die Ausstellung titelgebende Diptychon. Mascher hat es von dem gleichnamigen Song der englischen Band Hot Chip übernommen. Über die großformatige Tafel breitet sich ein weicher, kurviger Hügel, weiß und himmelblau schimmernd wie mit Schnee bedeckt , durchbrochen von einem Höhleneingang, einem Dreieck und einer dunklen Maske, die an Gothic Tales erinnern. Des Hügels Gipfel krönt ein duster kleines Märchenschloss, an seinem Fuße ruht ein weißer Ball als Ahnung an den Globus aus des Künstlers Kinderzimmer. Es ist eine Allegorie auf das geistige Reisen, die er würzt mit dem Erfahrungsschatz aus der elektronischen Welt seines ersten Computerspiels: Alley Cat aus den 80er Jahren.

Überhaupt sind es die vielfältigsten Referenzen, die Christof Mascher in seine Fantasy-Denkräume fließen lässt: Wie ein DJ, der in die Plattenkiste greift und Klänge sampelt, spielt Mascher mit Bildelementen nicht nur aus Cartoons und alten Trickfilmen, sondern auch aus der Geschichte der Malerei und seinen bevorzugten Malern. Sei es der Schnurrbart seines Vorbildes Edvard Munch, der in „A Bean Dance Tapestry“ ein Eigenleben entwickelt und darin verschwindet. Sei es die Figur aus Munchs „Der Schrei“, die sich hier wiederfindet und fast wie nebenbei mit einer grünen Scheibe vor dem Mund, weißen Handschuhen und einer langen Kapuze aus dem Kulissenmeer auftaucht.

Bühnenbilder und Wunderkammern sind seine Sujets. Mit Zeichen und Kratzern, gestischem Pinselstrich und grafisch skizzierter Zeichnung ist Christof Mascher einer traditionellen Arbeitsweise stark verhaftet. In seinen Raumträumen gibt er sich im Spiel mit der Zweidimensionalität aber nicht ewigen Weiten und Sehnsuchtshorizonten eines Caspar David Friedrich hin, sondern assoziiert, flach wie auf einem Bildschirm, das Spiel mit den Ebenen, den nächsten Level im Computerspiel, aus dem der Spieler, hier der Betrachter, gleich wieder rausfällt.

Neben seinen einnehmenden, malerischen Tauchfahrten zeigt Christof Mascher hier zum ersten Mal eine dreidimensionale und bewegte Bildidee: in der Rauminstallation „Valley Cat“ suggeriert er das Eintauchen in das dunkle Tal des Todes als Trickkiste mit den traditionellen Mitteln des Schattenspiels und Scherenschnitts in einer begehbaren Blackbox. Darin kreisen aus einem mit Verzierungen geschnitzten Lichttürmchen stilisierte Bäume, Treppen, Augen. Die Schattenrissfiguren ziehen langsam über die Wand, verzerren und verzehren sich geknickt um die Ecke, winden sich entlang der Decke wie Luftgeister um auf der anderen Seite der Kabine wieder ins aufrechte Bild zu fallen. Maschers ironischer Seitenblick ergreift hier die böse Maske einer chinesischen Triade aber auch ein verstecktes „ahoi“ – sein Graffiti-Zeichen aus längst vergangenen Zeiten, nur neu durchleuchtet.

Galerie Michael Janssen, bis 23. Oktober. Di-Sa 11-18 Uhr

Valley Cat, 2010. Ausstellungsansicht / Installation view. Courtesy / Foto: Galerie Michael Janssen, Berlin

 


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