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Ich ist ein anderer

Ob als Heros, Magier, Märtyrer oder Narr - die Kunst der Selbstdarstellung beschäftigt seit jeher die Künstler. In „Ich ist ein Anderer" zeigt das Landesmuseum Niederösterreich die verrückte Vielfalt in Portraits und Selbstportraits.

Oktober 2010. Der Mythos Künstler - oder ist es die Psychopathie des Künstlers als unvermeidliche Mitgift seiner Genialität? Das Selbstporträt in seinem Versuch, das Ich darzustellen oder vielmehr das gewünschte Bild von sich selbst zu erzeugen, ...

von Irmgard Berner

Karin Frank, Schiele, 2005 © Landesmuseum Niederösterreich, Foto: Rita Newman

begleitet spätestens seit der Renaissance das Schaffen vieler Künstler. Es geht, wie in der literarischen Autobiografie, vor allem um die Suche nach dem Selbst, die – wie zahllose Theorien großer Denker belegen – als unabschließbarer Prozess gilt. Das Ich bleibt ein hypothetisches Konstrukt.

„Die Kunst der Selbstdarstellung“ hat sich das Landesmuseum Niederösterreich in St. Pölten vorgenommen. Ein großes Thema. Porträt und Selbstporträt, 350 Werke von 80 Künstlern werden auf 1.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche gezeigt, kuratiert von Alexandra Schantl. Der Titel „Ich ist ein Anderer“ zitiert den französischen Dichter Arthur Rimbaud (1854-1891), der sinngemäß sagt: Der Andere, dessen Bild als Ideal-Ich gilt und dem es sein Ich anzunähern versucht, liegt außerhalb des eigenen Körpers.

Mit einer Vielzahl von Selbstbildnissen begibt sich diese auf Basis der eigenen Sammlung konzipierte Ausstellung auf die Spur vom Mythos des Künstlers. Im Vordergrund steht die tradierte Vorstellung des Künstlers als „Außenseiter der Gesellschaft“, die sich in der (Selbst-) Stilisierung als Heros, Magier, Märtyrer oder Narr manifestiert. Den Reigen dieser „Ich-Ikonen“ eröffnet Egon Schiele, der mit seinen eindrucksvollen Selbstbildnissen wie kaum ein anderer das Extrem einer begnadeten und zugleich skandalösen Künstlerexistenz zelebriert hat. Der eigentliche Schwerpunkt der Ausstellung liegt jedoch auf den ab 1960 entstandenen Künstler(selbst)porträts in verschiedenen Medien. Porträtfotografien in klassischem Schwarz-weiß von Franz Hubmann, Elfriede Mejchar oder Christian Skrein begleiten die Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre.

Gottfried Helnwein, Selbstportrait mit Cyril und Ali, 1988, Ausschnitt © Landesmuseum Niederösterreich, Foto: Peter Böttcher

In Franz Grafs (*1954) Zeichnungen wiederum werden Gesichter zu Landschaften. Die grotesken Verzerrungen des Mienenspiels in den Arbeiten Arnulf Rainers sind inspiriert von den Grimassen der barocken Büsten Franz Xaver Messerschmidts. Zahlreiche Künstler schlüpfen bei ihren Selbstporträts in Posen und Rollen, wie Rudolf Hausner in seinen manischen Darstellungen des Alter Ego „Adam“.

Im letzten Teil der Ausstellung geht es um das geschundene, sterbliche, heilige und heroische Ich: Adolf Frohners (1934-2007) „Bildnis des Künstlers in jungen Jahren in der Manier des Piero della Francesca“ oder mit Porträts des Gugginger Künstlers Aurel Iselstöger (1925–2008). Dieser griff das Selbstporträt als Bildthema mehrere Jahre hinweg in stereotyper Form immer wieder auf: Es zeigt ihn, seinem wirklichen Aussehen nicht unähnlich, mit etwas nach vorne geneigtem, von Locken bedecktem Kopf, geschlossenen Augen und breit auseinandergezogenem Mund.

Als „mystische Versunkenheit wie aus schizophrener Innenschau“ deutete der österreichische Psychiater Leo Navratil (1921–2006) diesen Gesichtsausdruck. Navratil, seit 1946 in der psychiatrischen Männerabteilung der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Gugging tätig, hat ab Anfang der 1950er-Jahre seine Patienten nach bestimmten Regeln und diagnostischen Gesichtspunkten zeichnen lassen.

Eine große Kategorie der künstlerischen Selbstdarstellung ist das Rollenspiel, die Transformation in eine andere Person. Bei diesen „Kostümporträts“ oder „stellvertretenden“ Selbstporträts geht es um die Identitätssuche in der Spiegelung durch den anderen. Wo endet die Rolle, wo beginnt das eigentliche Selbst. Rimbauds „Ich ist ein anderer“ („Je est un autre“) scheint besonders gut zu diesem Genre zu passen.

Magdalena Frey, Susanne Wenger, 2006 © Landesmuseum Niederösterreich, Foto: Peter Böttcher

 

Landesmuseum Niederösterreich 25. September 2010 bis
26. April 2011

 


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