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Lucie Stahl und Belá Kolářová PDF Drucken

Badeschaum und Frauenhaar

Was Belá Kolářová, *1923, und Lucie Stahl, *1970, verbindet - oder trennt

Frauen in der Kunst sind längst keine Ausnahme mehr - so hat es zumindest den Anschein. Junge Künstlerinnen wie Lucie Stahl reflektieren heute ganz selbstverständlich ihre „weibliche“ Sicht der Welt und Dinge. Zu verdanken haben sie das so kompromisslosen Vorreiterinnen wie der jüngst verstorbenen tschechischen Künstlerin Belá Kolářová. Zwei Akteurinnen des Kunstbetriebs.

Lucie Stahl, Shaving Lady, 2009/10 UV-ech chter Inkj kjet-Print Polyurethan, ca. 118 x 86 cm

von Irmgard Berner

Frauen in der Kunst sind längst keine Ausnahme mehr - so hat es zumindest den Anschein. Frauen sind etablierte Akteurinnen des Kunstbetriebs, wenn auch immer noch in geringerer Anzahl als ihre männlichen Kollegen. Aber es zählt ja nicht nur die Quantität. Junge Künstlerinnen wie Lucie Stahl, 1977 geboren, reflektieren heute ganz selbstverständlich ihre „weibliche“ Sicht der Welt und Dinge. Dass das so sein kann, haben sie kompromisslosen Vorreiterinnen zu verdanken, die ihre Positionen zu ersten künstlerischen Höhepunkten entwickelten, als Stahls Generation gerade geboren wurde. Eine dieser Avantgardistinnen war die jüngst verstorbene tschechische Künstlerin Belá Kolářová, Jahrgang 1923.

Die Stadtgalerie Schwaz stellt unter ihrer neuen Leiterin Cosima Rainer mit „Běla Kolářová & Lucie Stahl“ diese beiden Künstlerinnen in ein Spannungsverhältnis, untersucht, wo es Schnittpunkte in ihren Arbeiten gibt, beleuchtet, welche Kontrapunkte sie setzen. Künstlerinnen in Bezug zu historischen Positionen zu zeigen, ist Rainers Programmschwerpunkt im ersten Ausstellungsjahr. Běla Kolářová sei „eine ganz faszinierende Position der Avantgarde der 1960er Jahre. Sie wird gerade entdeckt, auch als interessante Bezugsfigur für zeitgenössische Kunst.“ In Schwaz kombiniert Rainer Kolárovás Werk deshalb mit jenem der jungen Berliner Künstlerin Lucie Stahl.

Was diese Künstlerinnen eint, ist ihre konkrete Bezugnahme auf Alltagsobjekte, die aus dem weiblich codierten Lebenszusammenhang stammen. Auch wenn sie sich diese Objekte auf sehr unterschiedliche Weise aneignen und verarbeiten, erzeugen Kolářová und Stahl einen subtilen feministischen Kommentar, der mit feiner Ironie und Gesellschaftsanalyse angereichert ist. Zusätzlich verbindet beide Künstlerinnen ihr unkonventioneller und geradezu intimer körperlicher Zugriff auf reproduktionstechnische Medien. Lucie Stahl erzeugt ihre in Polyurethan gegossenen Tintenstrahldrucke, indem sie alle möglichen, teilweise fetischistisch aufgeladenen Objekte auf einen Scanner „aufträgt“. Badeschaum und diverse ätherische Öle bilden dabei schon mal die Essenz.

Belá Kolářová hingegen experimentiert mit Röntgen- und Fotogrammen von abgeschnittenen Frauenhaaren sowie mit Zeichnungen, mit „Make up“ und Assemblagen aus Ösen, Sicherheitsnadeln oder Muscheln. Mit ihrem Geschirr-Zyklus „Cyklu Nàdobi“ von 1966 - kaleidoskopische Abstraktionen von kleinen Alltagsgegenständen mit Knöpfen, Strasssteinen, Fliegenfischen und Haarnadeln auf Abtropfplatten aus Glas fixiert - unterläuft sie ironisch den Alltag einer typisch sozialistischen tschechischen Hausfrau mit Mitteln und im Stil konstruktivistischer Miniaturen, und das zwei Jahre vor dem Prager Frühling. Kolářová gehörte in den 60er-Jahren - von der Aufbruchstimmung der damaligen Tschechoslowakei erfasst - zur Gruppe Krizovatka (Kreuzung). Sie bediente sich einer modernistischen Sprache und entwickelte ihre kinetischen Arbeiten hin zu einer visuellen Poesie.

Eine komplexe, formale Sprache des Platzierens und Arrangierens, mit deren Hilfe sie Intimität, Ordnung und poetische Schönheit vermittelt, zeichnen auch die Arbeiten der Städelschul-Absolventin Lucie Stahl aus. In ihren Arbeiten, etwa den Plakaten mit auf schwarzem Hintergrund gescannten Zimmerpflanzen, Autofelgen oder Abbildungen aus Magazinen, verwischt sie die Grenzen zwischen den künstlerischen Medien. Durch die Verwendung gewöhnlicher Materialien und beweglicher Strukturen hinterfragt sie Gesellschafts- und Geschlechterhierarchien. Einen nüchternen Fokus auf die Arbeit mit Text zeigt sich bei beiden Künstlerinnen: Lucie Stahl verfasst Kurztexte im Stil der amerikanischen Stand-Up Comedians und Kolářová verarbeitet Werktitel und Gedichte zu eigener konkreter Poesie.

Belá Kolářová, Locken von braunem Haar, 1980 Assemblage: Haarnadeln, Haar; Karton 31 x 46; 48 x 63

Stadtgalerie Schwaz, Österreich

 


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