nurart.org


MAGAZIN
RUBRIKEN
FORUM
SEARCH
Neueste Beiträge
CB Login
JoomlaStats Activation
Cyprien Gaillard PDF Drucken

Sprudelnder Quell aus der Bierflasche

Das Trinken, der Rausch und das Vergessen: Cyprien Gaillards soziale Plastik in den Berliner Kunst-Werken

Berlin, April 2011. Abwartend sitzt Cyprien Gaillard auf der obersten Stufe seiner blauen Pyramide in den Kunst-Werken. Lauernd streift sein Blick von oben herab auf die Leute, die die steilen Stufen hochsteigen. Seine Ruhe gleicht der vor dem Sturm. So als hätte er die innere Handbremse gezogen und warte nur darauf, sie loszulassen und einen Prozess in Gang zu setzen, der die Pyramide, auf der nun auch die Besucherschar gespannt Platz genommen hat, der Zerstörung anheimstellt.

von Irmgard Berner

Der Geist gönnt sich den Taumel, die Zuschauer prosten sich zu: 72 000 Flaschen Bier stellt Cyprien Gaillard als raumgreifende Installation zur Schau.|photo: eventpress hoenisch

Der junge Franzose sorgt seit einigen Jahren für viel Aufregung im Kunstbetrieb. Abgewrackte Gebäude, dystopische Stadtlandschaften, das utopische Potenzial der Moderne sind das Ziel dieses Vandalen und Abenteurers. Dafür reist er mit einem untrüglichen Gespür an Orte, wo nicht nur Hochhaustürme explodieren und in einer Riesenwolke zerstäuben. Obsessiv dokumentiert der 1980 in Paris geborene, derzeit in Berlin lebende Künstler die architektonische Transformation durch Zerstörung auf Fotos und Videos: berauscht vom brachialen Augenblick der Geburt eines Monuments aus Ruinen, fasziniert von der Schönheit des Zerfalls. Die Galerie Sprüth Magers zeigte 2009 seine „Geographical Analogies“ auf Polaroid, einem Medium des Verschwindens, und den Film „Cities of Gold and Mirrors“ von großer emotionaler Wucht der Erinnerung. Gaillard ist für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst nominiert. Es fällt schwer, seine Arbeiten nicht faszinierend zu finden.

Für die Idee der raumgreifenden Installation „The Recovery of Discovery“ in den KW-Berlin – es ist die einzige Arbeit, die hier gezeigt wird - nahm der smarte Berserkernomade den Treppensockel des Pergamonaltars zum Ausgangspunkt, der heute noch an der Grabungsstätte im antiken Ephesos nahe dem türkischen Izmir für Touristen zu besichtigen ist. Der Fries steht ja bekanntlich im Pergamonmuseum, nachdem er von dem deutschen Archäologen Carl Humann entdeckt und 1878 als Trophäe nach Berlin transferiert worden war. Kolonialismus als destruktiver Akt, Abriss und Inbesitznahme, Bewahren am fremden Ort und mit neuer Bedeutung aufladen - all das ist nun Thema auf der hohen Pyramidenspitze. Gaillard spricht beiläufig, sein Blick hat dennoch etwas Forderndes, gepaart mit dem leisen Charme der Sensationslust. Es ist die erste Intervention, die er in einem Kunstraum macht. Bisher hat er immer draußen in der Landschaft gearbeitet, die Land-Art zugleich neu definiert. „Das Museum ist ein toter Raum“, sagt er, er wolle ihn neu beleben mit dieser sozialen Plastik - und Verweis auf Joseph Beuys.

Noch ragt die Pyramide als monolithische Urform sauber in den KW-Hallenhimmel, schimmert im graukalten künstlichen Licht, das jedes Gefühl für Tag und Nacht verwischt. Wie eine dem Inkareich entrissene Stufenpyramide, als radikaler Eingriff hier eingepflanzt. Gestapelt aus blauen, polierten Quadern fügen sich die fußbreiten Treppen bis fast unter die Decke. Ein ästhetisch gelungenes Bild, als Kunstwerk den Kunst-Werken angemessen, klassisch harmonisch die Proportionen, Form und Volumen im Goldenen Schnitt des Raumes platziert.

Wäre da nicht dieser trügerische Schein des wohlüberlegten Vorspiels, läge nicht dieses „memento mori“ in der Luft, das Wissen um das Auseinanderbrechen, und zuckte nicht dieser destruktiv romantische Zug der Vorfreude um Gaillards Mundwinkel. Die Skulptur interessiert ihn nur noch beiläufig. Auch die Sklavenarbeit, wie Kuratorin Susanne Pfeffer es nennt, die dahinter stand, sie aufzubauen. Denn – und das ist der Clou - der sprudelnde Quell dieser sozialen Plastik, die Quader, sind weder aus Stein noch sind sie für die Ewigkeit gedacht: Es sind 3 000 Pappkartons mit 72 000 Flaschen Bier der Marke „Efes“, jenes türkischen Bieres, das in Ephesos gebraut wird. Und endlich reißt Gaillard die erste Kiste auf und lässt den ersten Kronkorken knallen.

Der Eingriff löst den irreversiblen Prozess aus, der diese Plastik zerstören und im Verlauf der Ausstellung vervollständigen wird. Der Baustein transformiert zum schnöden Wegwerfbehälter für das flüchtige Rauschmittel Alkohol. Denn auch darum geht es Cyprien Gaillard: Um das Trinken, den Rausch und das Vergessen. Im Kollektiv oder alleine. War es eben noch wichtig, dass das Bier türkisch und aus Ephesos ist, so scheint es nur noch absurd, Bier aus der Türkei in das Bierland Berlin zu transportieren. Ließ man eben noch seinen Geist in das Inkareich schweifen, so gönnt man seinem Geist nun den Taumel aus der Flasche. Ab jetzt regiert hier Dionysos, der antike Gott des Festes. Und das mit Freibier.

Recovery und Discovery, die Genesung nach dem Hangover. Das Volk, die Ausstellungsbesucher erobern die Architektur, reißen Kartons auf und greifen prostend zur Bierflasche. In der Eröffnungsnacht verwandelt die Pyramide sich in ein faszinierendes riesiges Menschen-Wimmelbild. Schwaden von Bierdunst schweben in der Luft. Die soziale Plastik lebt und geht durch den Magen. Cyprien Gaillard steht oben am Eingang an der Balustrade. Er lächelt, während die Pyramide im wabernden Gewusel angenagt wird wie ein riesiges blaues Stück Kuchen auf einem Bild von Hieronymus Bosch, und während Flaschen und Scherben wie das Geröll einer antiken Ausgrabungsstätte in den Raum zerfallen. Sieben Wochen geht die Party noch. Betreten der Pyramide auf eigene Gefahr!

Kunst-Werke, Auguststrasse 69, Mitte. Bis 22. Mai. Di-So 12-19, Do bis 21 Uhr

Dieser Artikel erschien auch in der Berliner Zeitung am 4. April 2011

Пожар, испепеливший "послушать и скачать песни"созревшие травы прерии, уничтожил и следы колес, указывавших раньше дорогу.

НАПРЯЖЕННОЕ ОЖИДАНИЕ Никогда еще около хижины "скачать смс смс бокс"мустангера не "клипы скачать араш"раздавалось такого топота копыт даже в дни, когда его кораль был полон только что пойманными дикими "график ппр (скачать)"лошадьми.

По правую "скачать игру с андроид маркет"сторону, наискосок от края, вытянулась фигура матроса, причем левую руку он "программа для создания мелодии скачать"по локоть пропустил через плетеную петлю ручки.

Как же он удивился, когда обнаружил, что "песня универ скачать"один из всадников вместе с "Кряк + для сони вегас"собаками свернул и отправился в ту сторону, куда вели следы его коня!

Они "вторжение кур игра скачать"просто вспорхнули на соседнее дерево и там, снова усевшись "играть в игры разрушения замков"рядом, продолжали свою нежную беседу.

Ты вновь на свою голубку взгляни.

 


ART
KÜNSTLER
KALENDER
Beliebte Beiträge
ABOUT US
Kontakt
Mission Statement
About us
nurart.org RUBRIKEN Reviews Cyprien Gaillard


© 2010 nurart.org