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Ruven Kuperman - Galerie Kit Schulte PDF Drucken

Bilder der fließenden Welt

Faszination Zeichnung: die Berliner Galerie KIT Schulte Contemporary Art zeigt „New Mythologies“ von Ruven Kuperman und "Ende" von Matteo Bergamasco

von Irmgard Berner

Berlin, Februar 2012. Eines der Bilder heißt „Punks“, ein anderes „Pets“. Frauen im Geisha-Kostüm, lasziv-passiv in Anlehnung an Roy Liechtensteins Pop-Art-Ikonen oder als sexy Manga-Mädchen tauchen im Gewühle auf. Gnome und Märchen-Monster schauen den Betrachter aus unschuldigen Glupschaugen an. Geschichten, Gesten und Gebärden aus den globalen Mythen greift Ruven Kuperman für seine ausladenden Zeichnungen auf. Man möchte in diesen Bildern, die die junge Galerie KIT Schulte Contemporary Art unter dem Titel „New Mythologies“ zeigt, konkrete Erzählungen vermuten, jedoch überlässt der israelische Künstler die narrative Interpretation dem Betrachter. In großen und kleinen Schlachtenszenen mit barocker Dramatik verschneidet er Figuren aus den japanischen Mangas mit Kriegern, die wie aus dem ebenfalls japanischen Kabuki-Theater entstiegen scheinen.

Jedes Bild ist ein detailreiches, humorvolles Seherlebnis: ob in ausladender Üppigkeit in den Kostümen und Faltenwürfen, in himmelwärts strebender Dynamik oder als biblisch höllenfahrende Abstürze im Sprühnebel und mit Rauchschwaden wie von einer explodierenden Granate. Kuperman lässt sich gerne vom Geist der Bilder des japanischen Künstlers Utagawa Kuniyoshi (1786-1864) inspirieren, einem der stilbildenden Meister des japanischen Farbholzschnitts am Ende der Edo-Zeit im 19. Jahrhundert. „Ukiyo-e“ nennen sich diese Holzdrucke, was so viel heißt wie „Bilder der fließenden Welt“.

Darstellung und Dargestelltes stehen da genauso im Widerstreit miteinander wie die kraftstrotzenden Figuren untereinander. Das Besondere ist, dass Kuperman sie delikat elegant auf großformatige Papiere zeichnet und mit Buntstiften koloriert. Denn Papier ist ein ungnädiger Malgrund, ist fragil und sperrig zugleich, deckende Übermalungen funktionieren nicht. Spontaner Strich muss mit Disziplin geführt werden.

Genau das reizt den israelischen Künstler mit russischen Wurzeln. Er wurde 1964 im sowjetischen Kishenev geboren, er lebt und arbeitet in Tel Aviv, studierte Kunst in Haifa und New York. Fragt man ihn, woher er kommt, nennt er lieber Tel Aviv, nicht Israel, denn er identifiziere sich mehr mit dieser säkularen Stadt als mit dem Staat. Für seine Lehrtätigkeit an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem müsse er oft in die sich immer mehr von den streng Religiösen vereinnahmten und sich verändernden Hauptstadt.

Ruven Kuperman, links, vor seiner Wandzeichnung | "After Charlie", 2011, Detail | "Pets", 2011, Detail

Es ist das zweite Mal, dass Galeristin Kit Schulte Papierarbeiten von Ruven Kuperman zeigt. Schulte ist vor gut zwei Jahren mit ihrer Galerie von San Francisco nach Berlin gezogen und hat, etwas versteckt in der zweiten Etage, atmosphärisch schöne Räume im beliebten Winterfeldt-Kiez bezogen. Ihre besondere Affinität für Papierarbeiten hat sie zu ihrem Programm gemacht. So stellt sie im zweiten Raum die leuchtend farbenfrohen, fantastischen Kleinformate des jungen Italieners Matteo Bergamasco aus. Zudem hat Schulte den Schöneberger Art-walk initiiert, mit zehn Galerien findet er jeden letzten Samstag im Monat statt. Die Idee hat sie aus dem fernen San Francisco mitgebracht. Auch so kommen die Bilder der fließenden Welt in die Welt.

 

Rechts: Matteo Bergamasco - Leuchtend farbenfrohe, fantastische Kleinformate - Kosmen des jungen Italieners | courtesy gallery kit schulte

KIT Schulte Contermporary Art, Winterfeldtstrasse 35, Berlin. Bis 26. Februar

 

 


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