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Heidrun Holzfeind in Vienna PDF Drucken

Lebensentwürfe in der Moderne

Und was aus den Versprechen wurde, zeigt in der Bawag Contemporary die österreichische Künstlerin Heidrun Holzfeind: Architektur als sozialer Raum und Machtverhältnisse in urbanen Systemen

Wien, März 2012. Der Aufbruch in die Moderne war beflügelt von der Utopie eines sozial verträglichen Wohnens. Aber hielten die utopischen Wohnkonzepte, was sie versprachen? Das hinterfragt die Filmkünstlerin Heidrun Holzfeind in ihren Arbeiten: Was etwa eint die unterschiedlichen Bewohner in Mies van der Rohes gläsernem Wohnblock in Newark, New Jersey?

von Irmgard Berner

Photo: Holzfeinds neue Werkgruppe ist eine Hommage an den Architekten Ernst Schwadron, den früheren Eigentümer der Bawag-Räume | c-courtesy Bawag cont.

Funktionalismus und Fragmentierung haben sich in urbanen Wohnwelten durchgesetzt. Glas und Transparenz sollten nicht nur das Außen mit dem Innen verbinden, sondern auch die Menschen einer Gesellschaft zu einer Gemeinschaft zusammenführen.

Welche Machtverhältnisse allerdings aus solch urbanen Systemen erwachsen und was aus dem Versprechen geworden ist, hinterfragt die Filmkünstlerin Heidrun Holzfeind in ihren Arbeiten: Was etwa eint die unterschiedlichen Bewohner in Mies van der Rohes gläsernem Wohnblock in Newark, New Jersey? In dem fast einstündigen Filmportrait „Colonnade Park” von 2010/11 aus der dreiteiligen Serie führt sie Gespräche mit den Menschen, die hinter der Glasfassade wohnen, die Mies van der Rohe als eine von drei Glas- und Stahltürmen zwischen 1954 und 1960 errichtete. Sie stehen für den Beginn der urbanen Erneuerung Newarks, um einer mittelständischen Elite das Leben im Stadtzentrum wieder schmackhaft zu machen.

Die bewegte Geschichte dieser Menschen erzählt also zugleich von gesellschaftlichen Verwerfungen. Holzfeind zeigt sehr eindrücklich, wie sie über ihre Errungenschaften, Ziele, Hoffnungen und ihren Platz in der Gesellschaft nachdenken. „Meine Arbeiten sind Porträts einfacher Menschen in einem Abschnitt ihres Lebens“, beschreibt sie diese. Heidrun Holzfeind wirft einen kritischen Blick auf die soziokulturellen Strukturen und Konventionen unserer Gegenwart. Ihre Arbeiten sind von intensiver Recherche und feinfühligem Vorgehen in den unterschiedlichen Milieus und Kontexten geprägt. Theoretische Überlegungen zu Architektur als sozialem Raum bilden für sie eine wichtige Grundlage. Sie lotet dabei die Grenzen zwischen Geschichte und Identität, Realität und Fiktion aus. Zudem trägt sie wesentlich zur Neuformulierung des Dokumentarischen bei und definiert die Verwendung von Fotografie und Video zwischen Kunst und sozialer Praxis neu.

Nun widmet das Bawag Contemporary der österreichischen Künstlerin, die 1972 im Osttiroler Lienz geboren wurde und in Wien und New York Kunst studiert hat, eine umfangreiche Einzelschau. Zu sehen ist, wie Holzfeind Architektur und Wohnräume nicht als reine Abbildungen von Räumen porträtiert sondern durch Gespräche mit ihren Bewohnern. Die Interviews über ihr Leben in diesen Gebäuden konfrontiert sie mit Ansichten der Wohnungen und Aussichten aus den Fenstern. Dabei lässt sie den Protagonisten viel Raum, ihre jeweiligen politischen oder persönlichen Erfahrungen darzulegen.

Das Haus gibt die Struktur vor, einem Setzkasten gleich, der mit den Bewohnern gefüllt ist. Einige von ihnen frönen einer ungewöhnlichen Sammlerleidenschaft von Stil-Möbeln, Vitrinen, Plüschsofas, mit dem Ergebnis, dass das funktionale Äußere des Hauses im Inneren mit einer fast musealen Landschaft kontrastiert. Jedes Stockwerk hat vierzehn Appartements. „Das Gebäude funktioniert so, dass deine Etage deine Nachbarschaft ist“, sagt einer der Bewohner in dem Video. Nicht das ganze Haus also sondern das jeweilige Stockwerk zeigt so eine Gesellschaft als Gemeinschaft.

Eine ganz neue Werkgruppe, in der sich Heidrun Holzfeind mit dem österreichischen Architekten Ernst Schwadron (Wien 1896–1979 New York) auseinandersetzt, steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Ernst Schwadron war der älteste Sohn des Mitbegründers der Bau- und Keramikfirma Brüder Schwadron. In deren früherem Schauraum befinden sich heute die Ausstellungsräume des Bawag Contemporary. Im Penthouse des Gebäudes am Franz-Josefs-Kai 3 lag die Wohnung des Architekten, der 1938 nach New York emigrieren musste. Holzfeind bringt somit „in situ“ einen verborgenen Raum-Zeit-Bezug ans Licht.

Bawag Contemporary: Heidrun Holzfeind "Strictly Private"  9. Februar 2012 — 1. April 2012

Franz Josefs Kai 3, 1010 Wien
täglich 14 - 20 Uhr
Führungen jeden Donnerstag 18 Uhr

 


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