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Haroon Mirza in St. Gallen PDF Drucken

Im Zickzack durch leuchtendes Fiepen

Haroon MirzaHaroon Mirza verwandelt die Kunst Halle St. Gallen in ein klingendes Musikinstrument zum Durchwandern

von Irmgard Berner

Mai 2012. Ein anschwellendes Sirren erfüllt den engen fensterlosen Raum. Besucher stehen unter dem weißen Lichtring an der Decke, der seinen kalten Schimmer über ihre Häupter und die Reliefspitzen an den Wänden gießt. Das unaufhaltsame Sirren bohrt sich in die Gehörgänge, immer tiefer - und stoppt abrupt. Black out. Schockiert blicken die Besucher, ratlos.

Sind sie etwa Schuld an dem plötzlichen Versagen der Technik? Schließlich lächeln alle. Ein zartes Surren hebt an und Licht ergießt sich von Neuem über sie. So passierte es in Haroon Mirza klaustrophobischer Rauminstallation auf der Biennale in Venedig 2011. Für seine Kunst erhielt er auch gleich den silbernen Löwen als bester Nachwuchskünstler. Denn Haroon Mirza überzeugte mit seinen faszinierenden Installationen, die den Betrachter unmittelbar und erfrischend mit Schwäche und Stärke in ihren Bann ziehen.

Haroon MirzaUnd weil Mirza Stärke auch als Stromstärke versteht, nutzt er von Lampen nicht nur ihr Leuchten sondern auch das Geräusch, das sie dabei generieren und beim Ein- und Ausschalten erzeugen. Und weil dem jungen britischen Künstler pakistanischer Herkunft das immer noch nicht genug ist, verstärkt er deren Geräusche um ein Vielfaches, verlegt Kabel und transportiert den surrenden Klang weiter. Und weil er Lampen als Leuchtmittel versteht, wie der Maler seinen in Farbe getauchten Pinsel, nutzt er ihre Helligkeit für seine grafische Sprache und zeichnet Lichtlinien in den Raum – grüne, rote und blaue.

In diese drei Farben taucht nun Haroon Mirza, der 1970 in London geboren wurde, dort und in Sheffield lebt und arbeitet, die drei Ausstellungsräume der Kunst Halle St.Gallen. Er flutet sie quasi mit gedämpft farbigem Licht, indem er zwischen den Säulen und Wänden LED-Bänder spannt. Er füllt sie zudem mit einer Komposition aus dem surrenden Fiepen der Stromquellen, verzaubert die Hallen in ein Musikinstrument, in dessen Klangkörper der Besucher wandelt. Als Trägerstruktur für seine Licht- und Tonlinien benutzt er ausschließlich die Architektur – nicht wie in früheren Arbeiten Gebrauchtmöbel und –geräte. Die Wände verbirgt er hinter flächendeckenden Schaumstoffkeilen wie man sie aus Tonstudios kennt, allerdings mit unterschiedlich gestalteter Musterung. Die Elemente der Installation auf ihre wesentlichsten Bestandteile zu reduzieren, die architektonischen Eigenschaften des Ausstellungsraumes zu exponieren und nur kleinstmögliche Interventionen vorzunehmen, gibt dem Projekt seinen minimalistisch anmutenden Kern.

Haroon MirzaWie gezielt und zugleich verspielt Mirza mit reduzierten Zeichen umgeht, lässt sich schon am Titel der Ausstellung ablesen: \|\|\|\| \|\|\. Dieses aus typografischen Zeichen erzeugte Zickzackmuster stellt die Wellenform einer akustischen Schwingung nach. Es suggeriert etwas über das grafische Wesen von Syntax, bezeichnet auch eher den Code für das Besetzen eines Raumes, nutzt die Ortsspezifik und verschlüsselt sie zugleich.

Das Projekt \|\|\|\| \|\|\ ist der zweite Teil einer Serie von insgesamt drei Ausstellungen, die in verschiedenen Institutionen stattfinden. Darin entwickelt Haroon Mirza ein Werk, mit dem er die Idee der Ortsspezifik innerhalb eines konzeptuellen Bezugssystems erkunden will.

Haroon MirzaDie erste Ausstellung mit dem Titel /\/\/\/\ /\/\ wird an der Universität des Michigan Museum of Art in den USA produziert und im März 2012 ausgestellt, die zweite nun in der Kunst Halle St. Gallen. Die dritte, die den Titel --{}{}{} {}--{}{}{}{}--{} trägt, wird ab Mai in der Ernst Schering Stiftung in Berlin zu sehen sein. Es sind Orte mit Stärke und Charakter. In St. Gallen wird übrigens auch Mirzas Lichtdusche aus Venedig re-installiert.

Photos: Kunst Halle Sankt Gallen, Gunnar Meier

Kunst Halle St. Gallen, bis 1. Juli 2012

Haroon Mirza

 


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