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Jeder Klick ein Blick in die Galerienwelt

Virtual GAllery Weekend betaDas Gallery Weekend ist zum ersten Mal als virtuelle 3D-Welt im Internet zu erleben.

Der lange Marsch durch 51 Galeriein ist anstrengend. Wer die gemütliche Stube vorzieht, kann sich jetzt durch die Ausstellungen klicken. photo: spinningwire

von Irmgard Berner

Berlin, 27. April 2012. Angenommen Sie sind Pedro aus New York und neben Ihnen steht Michael aus Berlin. Beide betrachten Sie ein Kunstwerk in einer Galerie, eine Malerei, Photografie oder Videoarbeit. Es ist Gallery Weekend, und Sie wollen eigentlich noch ganz viele Galerien besuchen,

sich mit Freunden aus Madrid, München oder Moabit treffen, mit Galeristen sprechen, Informationen über Künstler einholen, undsoweiter. Vielleicht wollen Sie, Pedro, sich gerne mit Michael, den sie noch nie vorher gesehen haben, über das Bild austauschen, ihn aber nicht stören in seiner Betrachtung.

Sie trauen sich nicht? Vielleicht fällt ja gerade die Hemmschwelle, denn Michael sieht genau so aus wie Sie: Weiß, eher männlich, eigentlich geschlechtsneutral, sein Name steht auf der Brust, und immer mehr Ihrer Artgenossen schweben um Sie herum. Denn Sie sind ein Avatar, eine Stellvertreterfigur, und flanieren durch den virtuellen Showroom der Galerie Ihrer Wahl. Vielleicht ist Michael aus Berlin aber gar nicht in Berlin - auch dann können Sie mit ihm sprechen. Hier. Jetzt. Vor diesem Bild, spontan und praktisch schwerelos. Sollten Sie noch Fragen haben, hilft Ihnen gewiss ein freundliches Avatar-Crew-Mitglied weiter.

Einsteigen ohne Gebühren

Dieses Szenario spielt nicht in der Zukunft, es ist ganz real, wenngleich virtuell. Denn das „Virtual Gallery Weekend“, nennen wir es VGW, ist eine innovative, dreidimensionale Anwendung und viel mehr als nur eine Website. Sie können sich mit ihr sofort hineinbegeben in die schöne neue Galerienwelt, gesetzt den Fall Ihr Computer ist nicht älter als zwei Jahre. Wenn doch, gibt es auch eine Light-Version, mit der Sie Ihr Kunstwochenende planen können. Oder Sie befinden sich zufällig an der Info-Lounge in der Jüdischen Mädchenschule, dem neuen Kultur-Hotspot in der Auguststrasse, wo Sie immer handfeste Hilfe zur Navigation bekommen. Sie brauchen nur einen Namen einzugeben, Pedro oder so. Oder über Ihren Facebook-Account einsteigen, ohne Einladung oder Gebühren. Das gleich mal vorneweg.

Sie fliegen, schweben, drehen sich

Die Seite ist sehr übersichtlich aufgebaut, lädt direkt zum Interagieren ein und macht großen Spaß zu experimentieren - wie Computer-Gaming, aber mit Kunst-Gehalt. Visuell neutral gehalten - grünes Feld, weißer Hintergrund - gleicht sie einer klassischen Spiele-Situation: Die Basis bildet eine Berlinkarte, auf der die 51 über die ganze Stadt verteilten Galerie-Standorte abgebildet sind. Für jede Galerie gibt es einen Showroom.

Diese Showrooms sehen alle gleich aus - wie die Avatare ja auch - ohne individuelle Extravaganzen: Sechs Stellwände auf einer weißen Plattform bilden den losen Raum. Sie dienen als Displays, ihre Vorder- und Rückseiten werden mit Bildern und Filmen bespielt. Der innere Bereich trägt die Information zur Galerie, den Künstlern und der Ausstellung. Die äußeren Wandseiten sind der Kunst vorbehalten. Die Stellwände sind beweglich, schweben, fliegen, drehen sich, weichen zurück, je nachdem wo und wie Sie als Pedro, Michael und Co navigieren, interagieren oder mails an den Galeristen senden wollen, denn dafür gibt es kleine Textfelder zum Anklicken, Reinschreiben und Abschicken.

Experiment für kunstaffine Nutzer

Erfunden und entwickelt hat diese spannende, zur Interaktion animierende 3D-Welt der Think Tank der Firma Spinning Wire in Berlin. Sie besteht maßgeblich aus drei Spezialisten: dem Finnen Juha Hulkko, Gründer von Elektrobit und 3D-Software RealXtend; dem Franzosen Dr. Francois Garnier, Professor an der Designerschule ENSAD in Paris und Computergrafik-Pionier; und dem Unternehmer Heinz Siepmann. 2010 gründeten sie das Ideenlabor und erforschen mit Fokus auf „space-media“ eine neue Form der Kommunikation in digitalen 3D-Welten. Für die letzte „abc“-Messe hatten sie bereits eine Demo-Version entwickelt.

Mit dem VGW geht nun zum ersten Mal eine volle Version für Nutzer an den Start. Sie baut auf Juha Hulkkos Open Source Software auf. Das vielschichtige visuelle Szenario gestaltet Dr. Garnier. Er beschäftigt sich seit Jahren mit 3D-Welten in Verbindung mit Kunst, und drehte unter anderem mit Wim Wenders den 3D-Film „Pina“.

„Es ist ein Experiment“, sagt Heinz Siepmann. „Uns interessiert vor allem, wie die Besucher darauf reagieren und wie sie miteinander kommunizieren.“ Im Zeitalter von Social Media klingt das schon fast vertraut. Aber sich in die digitalen Welten virtueller Galerien als Kommunikationsform zu begeben, ist neu. Das komplexe Projekt kann auch nur in enger Zusammenarbeit mit den Galerien gelingen. Die Zeit bis zum Online-Start an der Eröffnung ist knapp. Riesige Datenmengen werden noch transferiert, bearbeitet und eingepflegt.

Bis zum letzten Moment schicken die Galerien ihr Infomaterial. Denn die 3D-Galerienwelt muss reibungslos laufen - auch bei großem Andrang der Avatare. Schließlich geht es um erstklassige Kunst. Wer den VIP-Status erwirbt, kann große Staus umsurfen.

Zwischen realer und virtueller Begegnung

Obwohl Spinning Wire in Absprache mit den Galerien das Projekt betreibt, arbeitet die Firma auf eigene Kosten, ähnlich einem Start-up-Unternehmen. Ihr großes Anliegen ist es, über die Technologie hinaus, sinnvolle Anwendungen mit Mehrwert für die Menschen zu entwickeln, wie eben durch Kunst und Kultur. Und das an der Schnittstelle zwischen realer und virtueller Begegnung.

Das Virtual Gallery Weekend ist also mehr als eine Planungshilfe und Kunstkontaktbörse mit Fun-Faktor. Vielleicht stellt sich am Ende ja noch heraus, dass Michael eigentlich Michaela ist und Sie beschließen, nächstes Jahr gleich gemeinsam zum Gallery Weekend zu kommen.

Die gesamte Show ist vom 27. April bis 2. Mai online - www.gallery-weekend-berlin.de/virtual - laden Sie die Software runter und schon kann's losgehen

Dieser Artikel erschien auch in der Berliner Zeitung am 26. April in der Kunstbeilage zum Gallery Weekend

 


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