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European Month of Fotografy - Wien PDF Drucken

Künstliche Naturparadiese

Das MUSA in Wien zeigt „distURBANCes“ beim Europäischen Monat der Fotografie

Ilkka Halso, Kitka River aus der Serie "Museum of Nature"Wien, November 2012. Sie muten surreal an, diese utopischen Landschaften mit den fernen Horizonten und glasklar kühlen Farben. Diese Sehnsuchtsräume, die ohne Not in Angsträume kippen können, flirrend, unendlich, unwahr und doch so vertraut natürlich. Diese irrealen Architekturen und filigranen Gebäude, die keine Bodenhaftung mehr brauchen und allein in luftigen Sphären ihre flüchtige Verankerung finden.

von Irmgard Berner

Ilkka Halso, Kitka-River, aus der Serie “Museum of Nature” (Triptychon), 2004, C-Print, Diasec auf Dibond, 183 x 300 cm

Diese über die Ebene wuchernden Industrieanlagen, deren Ausdünstungen Himmel und Erde in Giftfarbe tränken. Superman, der über einem riesigen Swimmingpool kreist und eigentlich den Kremlpalast im Hintergrund im Visier hat.

Die Komplexität visueller Eindrücke wächst ständig und in rasendem Tempo. Mit Computer und Smartphone bilden wir ab, verändern, manipulieren und simulieren Bilder. Aber kann Fiktion die Realität übertreffen? Das fragen sich achtzehn Künstler und Künstlerkollektive aus Berlin, Bratislava, Budapest, Paris und Wien in der Ausstellung „distURBANces“ im MUSA, das sich im November ganz dem Monat der Europäischen Fotografie verschrieben hat. „Eyes On“ heißt das Fotofestival mit internationalem Netzwerk und wird von den Partnerstädten gemeinsam kuratiert.

Wie aber setzen sich die Künstler mit diesem omnipräsenten Phänomen der anwachsenden Verflechtung auseinander, mit dieser Diskrepanz zwischen der physisch wahrnehmbaren und den scheinbar fernen, computergenerierten Welten? Mit der Dominanz der Bilder, die unsere sinnliche Wahrnehmung beherrscht und den digitalen Technologien, die Lebensstil, Mobilität und transnationale Machtverhältnisse radikal beeinflussen, zudem politische Umbrüche und die ökonomisch gesteuerte Globalisierung befördern? In „distURBANces“ gehen sie den urbanen, technologischen und politischen Entwicklungen in Fotografien, Videos und Installationen auf den Grund, indem sie den Fokus auf neue künstlerische Perspektiven richten. Waste Land, Rober F. Hammerstiel, 2011Dabei geht es ihnen weder um utopische Visionen einer besseren Welt, noch darum, ausweglose, trostlose Endzeitszenarien, in denen menschliches Leben nicht mehr möglich scheint, zu schaffen.

Wie der Titel suggeriert, generieren sie Utopien und Dystopien aus der gegenwärtigen Situation, in der wir nicht nur Urlaubsfotos durch digitale Bearbeitung manipulieren, erweitern, ja perfektionieren und damit unsere Realitätswahrnehmung verschieben. Sie hinterfragen darüber hinaus, welchen Einfluss diese Mutationen auf den Menschen und seinen realen Lebensraum haben und wie wir diese Veränderungen in der Beziehung Mensch-Natur-Stadt reflektieren.

Robert F. Hammerstiel, Waste Land, 2011, C-Prints auf Acrylglas in Acrylglasboxen, je 45 x 70 x 5 cm

Nicht in konfrontativer Haltung nehmen sie zu diesem existentiellen Thema Stellung sondern differenziert mit den Mitteln der Irritation, Poesie und Ironie. So findet das Künstlerduo Semiconductor in seiner Videoinstallation/Fotoserie „Earth Moves“ eine poetische Antwort auf Naturkatastrophen und eine instabile Natur. Paul Horn und Lotte Lyon wiederum dienen Modell-Landschaften und Postkartenserien von Städten und Landschaften als Basis für ihre Fotoarbeiten, die sie mit dem zweideutigen Titel „Neufundland“ erfassen.

Paradise Now, Peter BialobrzeskiDurch die oft surreale Farbigkeit und die im Modellbau verwendeten Alltagsmaterialien wie Watte, Salat oder Socken erkennt man schnell den Fake, das Künstliche und sieht, dass die schönen Landschaften bloß Kulisse sind. Ilkka Halso hat die visionäre Idee entwickelt, Natur großflächig in einem Museum zu schützen und zu bewahren. Für seine Fotoserie „Museum of Nature“ hat er am Computer riesige Gebäude für Flüsse, Berge und Wälder konstruiert. Petra Noll, eine der Kuratorinnen, drückt es so aus: „Wir zerstören und ersetzen die ‚echte’ Natur und sind doch gleichzeitig auf der sehnsüchtigen Suche nach Resten freier, unberührter Landschaften. Wir schaffen künstliche Entertainment-‚Natur-Paradiese’.“

Mit Arbeiten von: Peter Bialobrzeski, Justine Blau, Thibault Brunet, collectif_fact, Frédéric Delangle, Cédric Delsaux, diSTRUKTURA, Aldo Giannotti, Niklas Goldbach, Dionisio González, Ilkka Halso, Robert F. Hammerstiel, Paul Horn & Lotte Lyon, Leopold Kessler, Daniel Leidenfrost, Josh Müller, Reiner Riedler, Semiconductor

Peter Bialobrzeski, Paradise Now, #18, 2009, C-Print, 60 x 75 cm

Ausstellungsdauer: 30.10.2012 – 05.01.2013
www.musa.at
www.europeanmonthofphotography.com

 


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