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Wohin mit der Kunst?

Künstlernachlässe - Der Deutsche Künstlerbund hat sich diesem Thema angenommen und zusammen mit der Berlinischen Galerie auf ihre Symposionsagenda gesetzt. Damit die anwachsenden Kulturschätze nicht zur Belastung und Sisyphusaufgabe im 21. Jahrhundert werden, ist der Stein des Aufarbeiten nun ins Rollen gebracht.

Wohnin mit der Kunst? foto: iberner

Berlin, November 2012. Der Andrang war enorm. Die Bewältigung von Künstlernachlässen, der Umgang mit dem eigenen oder ererbten künstlerischen Werk erfordert ganz offensichtlich akuten Informationsaustausch und Handlungsbedarf. Warum sonst hätten sich  so viele Künstler, Nachlasserben, Galeristen, Museumsleiter aus ganz Deutschland auf den Weg in die Berlinische Galerie gemacht.

Ob Archive, Stiftungen oder Vereine - ihre Vertreter stellten ihre Modelle und Ansätze vor. Irmgard Berner hat sich bei den Experten informiert und unter den betroffenen Besuchern umgehört.

"Interessiert mich nicht", sagen die einen, "Ich muss endlich mal ein Testament machen", die anderen, oder: "Man verdrängt das immer".

"Ja, es muss formuliert werden. Das ist das Schlimme",  sagt Horst Bartnig, und lacht. Der 76-Jährige Künstler mit dem weißen Rauschebart ist in der glücklichen Lage, im Nachlassarchiv in Brauweiler angenommen zu sein. Ein Testament hat aber auch er immer noch nicht gemacht hat.

„Wohin mit der Kunst?“ ist die omnipräsente Frage, die der Deutsche Künstlerbund hier stellt. Mit der Berlinischen Galerie, die ein großes Archiv und die Nachlässe vieler ihrer Künstler pflegt, hat der Künstlerbund für dieses umfassende Thema somit einen wichtigen Kooperationspartner. Denn das Problem ist nicht mehr allein im engen Umfeld zu lösen, sondern wird sich wohl dauerhaft auf einer Regionen übergreifenden Agenda weit ins 21. Jahrhundert halten.

Denn die Künstler produzieren viel Kunst, ihre Zahl steigt zudem stetig und so wächst auch der Berg an Material. Zu dem Platzproblem kommen die Fragen zu Finanzen und Steuern und natürlich wie diese Kulturgüter bewahrt werden können und sollen. Der Vorsitzende des Deutschen Künstlerbundes, der Künstler Frank Michael Zeidler, bringt die Sorgen der Zunft mit einer pointierten Rede auf den Punkt: Der Berg des Materials werde immer größer, die Kräfte aber lassen nach. Das Nachdenken über den eigenen Tod solle nicht aus dem Prinzip Hoffnung heraus versäumt werden. Das oft komplizierte Lebensmodell des Künstlers solle nicht im Container enden. "Auf später verschieben" sei ein fataler Irrtum. Erst recht zu glauben, die Erben würden das schon richten.

Viele Künstler und Nachlasserben fühlen sich oft völlig überfordert mit dem vielen Material, das sie anhäufen oder das ihnen zufällt. Depot oder Deponie? - fragt in seinem leidenschaftlichen Plädoyer der Rechtsanwalt Christian Korte, und ruft dazu auf, auch mal was wegzuwerfen. Modellversuche wie das Archiv der Stiftung Kunstfonds Brauweiler oder das Forum für Nachlässe in Hamburg sind wichtige und ambitionierte Projekte und bilden, wie auch regionale, meist von den Kunstvereinen angestoßene Forschungsprojekte, erst einige mögliche Lösungsansatz.

Kill your darlings - aber mit Bedacht

Das Thema ist komplex und bedarf einer bedachten Herangehensweise. Denn die Bewahrung und Sicherung eines künstlerischen Lebenswerkes setzt die abwägende und sicherlich nicht einfache Selektion voraus. Christian Korte, maßgeblich als Berater in Sachen Nach- und Vorlass tätig, drückt es drastischer aus und provoziert einige Tagungsbesucher mit seiner Frage "Wohin mit dem Zeugs?" und seinem Appell nicht nur über ein Depot sondern auch über Deponie nachzudenken. Kunstwerke als Zeugs zu bezeichnen stößt manch einem der anwesenden Künstler, die ein oft prekäres, instabiles Leben führen, um sich der Schaffung eines Werkes, im besten Falle Lebenswerkes, hinzugeben, sauer auf. Kortes Ansinnen aber ist ein enorm Wichtiges, nämlich aufzurütteln, denn - und da stimmen ihm die meisten zu - es sollte schon zu Lebzeiten eine Auslese innerhalb eines Werkes getroffen werden.

Alles zu prüfen und das Gute zu behalten ist natürlich schwierig. „Kill your darlings“ möchte man sagen, aber wer trennt sich schon gern von Liebgewonnenem oder seinen Liebsten, auch wenn es nur Gedankenskizzen sind? Aber daran wird wohl kein Künstler vorbeikommen. Sich Hilfe und Beistand zu holen, vor allem wenn die digitalen Medien noch nicht integrativer Teil des Schaffensalltags sind, bildet für viele noch eine weitere Hürde. Am größten scheint aber die Überwindung, sich doch von dem einen oder anderen unverzichtbar scheinenden Liebling zu trennen.

Reduktion als Arbeitsmittel

Das Bewusstsein über die eigene, stetig anwachsende Kunstproduktion und diese vielleicht nicht mehr bewältigen zu können, ist bei manch einem Künstler aber bereits ihrem Werk immanent. So geht Beatrix Opolka sehr ökonomisch in ihrem Schaffen vor, setzt Raum, Atelier und Material in überschaubarem Maß ein. Alles Überbordende und Ausufernde fließt bei ihr direkt in den Prozess, exzessiv und intensiv.

Darauf sollte sich wohl manch ein Künstler besinnen angesichts des unübersichtlich anwachsenden Berges, der ins 21. Jahrhundert hineinwuchert.

 


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