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Mal richtig sauber machen

Das Sammlerpaar Haubrok lädt ein nach Lichtenberg: in die ehemalige Fahrbereitschaft der SED-Zentralkomitees der DDR

Tankstelle in Haubrok Projects - Fahrbereitschaft. c-haubrok

Berlin, April 2013. Es gibt sie noch, die Orte, wo die Zeiten sich trotz großer Umbrüche Ruhephasen gönnten. Wo Geschichte sich Schicht für Schicht ablagern konnte wie abstrakte Kunst von namenlosen Künstlern. „Fahrbereitschaft“ heißt so ein Areal in Lichtenberg. Es neu zu beleben und von Künstlern bespielen zu lassen, ist das Sammlerpaar Haubrok aufgebrochen. „Ich habe etwas gesucht, das anders ist“, sagt Axel Haubrok beim Gang über das Gelände. Von Backsteinmauern eingefasst, an die 18 000 Quadratmeter Fläche, beherbergt es 14 Gebäude. Werkstätten reihen sich an Montagehallen, Garagen an Parkplätze. Hier war alles etwas anders zu DDR-Zeiten, „komplett autark - vorne ein Wachhäuschen, zwei Schranken, ein doppelter Zaun.“ Abgeschirmt habe hier die Fahrbereitschaft des ZK, des Zentralkomitees der SED, ihre Dienste an der Staatsführung vollzogen. Allein in der großen Busgarage gab es jede Menge Fahrzeuge, mit denen hohe Gäste aus dem Westen chauffiert wurden - in Westautos, versteht sich. Sie soll ein Atelier werden.

Zurzeit stehen noch überall Autowracks herum, überhaupt scheint sich der Nachwende-Staub mit der DDR-Patina auch auf den alten Bodenfliesen, den Holzverkleidungen in den Bars und auf den Lampen zu vermischen. Viele Gebäude stammen von 1955, im ältesten Teil, einem Backsteinbau von 1900, kann man sich das süffige Spirituosenaroma vorstellen, das bis nach dem Krieg vom Reichsbranntweinmonopol verbreitet wurde. Später wirtschaftete die Verkehrsgruppe Grünau „auf dieser Insel mit Casino“. Bis heute gibt es eine Schreinerei, Autoreparaturwerkstatt, Waschhalle, eine Kegelbahn mit Bar.

„Extrem spannend“, findet Haubrok das Areal und will ein Stipendium vergeben, um die   Geschichte aufarbeiten zu lassen. Aber vor allem Künstlerateliers wird er hier anbieten, neben Handwerksbetrieben für Schreiner, Schlosser, Requisitenbauer, einem weiteren Sammler. Eine Mischung soll es werden, „die sich entwickeln muss.“ Hier habe er gefunden, was ihn auch am Sammeln immer interessierte: „Brüche, das Neue, das Andere. Nicht das Perfekte.“ Auf keinen Fall schick soll es hier werden, „das ist mir extrem wichtig.“ Den Showroom am Strausberger Platz wird Haubrok nicht weitermachen.

Die Gebäude sind in gutem Zustand, die Hallen inspirieren. Eigentlich muss man nur richtig sauber machen, sagt der neue Hausherr, einige Türen ersetzen, zugeklebte Fenster öffnen. Sogar auf der Kegelbahn rollt die Kugel noch rund. Sein ganzer Stolz aber ist die alte Tankstelle. Mit verschiedenen Künstlern wolle er sie ebenfalls bespielen. Keinen normalen Ausstellungsbetrieb, nur Projekte soll es geben, wie jetzt zum Gallery Weekend, im Herbst zur „abc“ und ein, zwei weitere Male im Jahr. Heimo Zobernig hat schon ein Logo entwickelt für die „Haubrok Projects“. Am Gallery Weekend „reißen wir sämtliche Tore auf und dann zeige ich, was wir hier haben.“ Eine von zwei Ausstellungen heißt „Abstrakt“. Künstler wie Günter Förg und Imi Knöbel sind eingeladen, in der großen Halle mit der vorhandenen Bausubstanz zu arbeiten, Schichten freizulegen und das hervorzuholen, was die Zeiten Spannendes bisher verborgen hielten.

Von Irmgard Berner

 


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