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Khaled Hafez - Ägypten PDF Drucken

Schönheitsgott aus der Shopping-Mall

Khaled Hafez, Dakar Running, 2013 Der ägyptische Künstler Khaled Hafez verknüpft heutigen Lifestyle mit altägyptischen Mythen. In großformatigen Ölbildern und Zeichnungen entstehen hybride Welten, die zugleich eine Art Tagebuch sind. von Irmgard Berner

Der ägyptische Sonnengott Re sitzt wie ein Bodybuilder protzig auf dem Thron. Sein Sixpack-Bauch strotzt vor Manneskraft, platzt fast.

Vielleicht ist er auch ein anderer Gott, mit seinem schwarzen Batman-Hut und den spitz emporstehenden Ohren auf dem Kopf, ein Konsum- oder Schönheitsgott aus der Shopping-Mall etwa. Am unteren Bildrand der großformatigen Collagenmalerei joggt die Liebesgöttin Isis braungebrannt in flotten Sportschuhen und ebenfalls bauchfrei, in fünffach geklonter Version mit je anderer Tiermaske auf dem Kopf.

Heutig und zugleich hieroglyphenartig muten die Bilder des ägyptischen Künstlers Khaled Hafez an. Sie sind von Göttern und Mythen des alten Ägypten ebenso durchdrungen wie von einem Personal aus Werbefiguren aus dem zeitgenössischen Konsumumfeld globaler Bild-Ikonen. Vergötterungsmythen wie Körperkult und Schönheitsideale als Zeichen des technischen Fortschritts, die ständige Beobachtung und Selbstbeobachtung - daraus speist Hafez seine Bildelemente. Ewigkeit und Unterhaltung verquicken zu Hybriden, die schon mal von Fantasien des Unartigen durchsetzt sind. Khaled Hafez, 50, ist einer der bekanntesten Maler und Videokünstler Ägyptens, er lebt und arbeitet in Kairo.

Berlin Chromosome

Khaled Hafez, Two Gods and Two Cats, 2012

In seiner ersten Einzelausstellung in Berlin zeigt die Galerie Naimah Schütter, ehemals Galerie Liebkranz, die Werkreihe „Berlin Chromosome“. Die Zeichnungen bezeichnet Hafez als sein Tagebuch. Die Großformate sind bevölkert von Symbolen wie Flugobjekten, Heißluftballons, Jumbo-Jets und fliegenden VW-Käfern an Luftballons. Blumen ragen ins Bild oder ein Hahn mit rot geschwelltem Kamm stakst über einen runden Tisch. Es ist eine surreale, symbolbeladene Personen- und Dingewelt, die der versierte Maler und Zeichner auf weißem Papier oder auf der Leinwand ausbreitet. Er verarbeitet darin die Kulturgeschichte seines Landes und Volkes und reizt zugleich mit aktuellen und frechen Bezügen.

Khaled Hafez zählt zu den Stars der ägyptischen Kunstszene. Er hat an den Biennalen von Venedig, Havanna und Singapur teilgenommen. Auf die Frage, ob er mit seiner Kunst in seiner Heimat Anstoß errege, antwortet er zurückhaltend. Mit dieser Serie würde er nicht auf die politische Situation eingehen, hier gehe es um gesellschaftliche Verhältnisse und um die Durchmischung von Fiktion mit der Realität, indem er die Symbole und Ikonen unserer Zeit manipuliert und sie mit antiker Ikonografie durchwirkt.

Löwe und Bodybuilder

So entstehen seine Metamorphosen in Umwandlungsprozessen wie schon in der Mythologie, in der der Gestaltenwechsel oder die Verwandlung einer Gottheit, eines mythischen Wesens zu einem Menschen oder Tier überliefert sind. In jedem seiner Bilder tauchen entsprechend Tiere auf, oft an den seltsamsten Stellen und surreal. Durch ein geöffnetes Fenster blickt etwa ein Zebra mit seinem Jungen in den Raum, wo an einem Flügel ein Pianist seiner sich auf dem Sessel räkelnden Holden ein Ständchen spielt. Oder es stehen antik anmutende Löwen statuengleich neben durchtrainierten, muskelblähenden Männerfiguren. Es ist eine merkwürdig ästhetisierte Welt, die Hafez aufblättert, der sich mehr als Archäologe begreift. Sie ruft Unbehagen hervor ob der mitunter plakativ eingesetzten Mittel. Auf dem Gemälde „Chromosom“ läuft die kräftige blaue Farbe des Himmels, die er wie Mosaiksteine aufmalt, in Farbfäden über die weiße Fläche darunter aus. Ebenso bestehen die Sockel, auf denen Löwe und Bodybuilder stehen, nur aus Farbrinnsalen, knallrot über grünem Grund, und vermitteln den Eindruck von Auflösung. Der perfektionistische Zug aber bleibt - als Karikatur allgegenwärtiger Klischees.

Khaled Hafez wird vertretenvon Galerie Naimah Schütter, Berlin, und AB Gallery, Luzern

 


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