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Amirali Navaee - Iran PDF Drucken
Geschrieben von: Irmgard Berner   

Kultur des Scheinheiligen

Dim lights Saba the Wind*

Lügen halten uns am Laufen, sagt der iranische  Video- und Performancekünstler Amirali Navaee. Mit seinen Arbeiten betritt er die privaten und mentalen Sicherheitszonen seiner Generation. Im Kunstverein Baden sind sie nun zu sehen, das Motto lautet „Lebenslüge – Illusion“

von Irmgard Berner

November 2013. Verlogenheit, Doppelmoral und Festhalten am schönen Schein - der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen drückte es so aus: „Nehmen Sie einem Durchschnittsmenschen die Lebenslüge, und Sie nehmen ihm zu gleicher Zeit das Glück.“ Das war Ende des 19. Jahrhunderts,

Saba the Wind, Videoinstallation by Amirali Navaee (foto: Kunstverein Baden)

gültig ist es noch immer. Lebenslügen erweisen sich als hartnäckig, universell und zeitlos. Genau darauf den Spiegel zu halten, entlarvt häufig kaleidoskopisch die Befindlichkeiten unserer Gesellschaften. Der Kunstverein Baden hinterfragt in seinem aktuellen Ausstellungskonzept „Lebenslüge - Illusion“, ob es die Lebenslüge so noch gibt und vor allem, ob wir nicht alle ab und zu Illusionen brauchen. Wo aber liegen die Illusionen in der Kunst?

„Lügen halten uns am Laufen“, sagt der iranische Video- und Performancekünstler Amirali Navaee und setzt in seinen Filmarbeiten, die in urbanen Lebensräumen spielen, an dieser Stelle an. „Jeder Zentimeter einer Stadt und ihrer Lebensverhältnisse ist von einem System, von einer Kultur des Scheinheiligen und einer unsichtbaren Kette besetzt, die die Menschen miteinander verbindet“, erklärt er sein Konzept innerhalb der Ausstellungsreihe, für die der Kunstverein Ibsens Begriff der Lebenslüge zum Motto macht.

Über seine Heimatstadt Teheran sagt Amirali Navaee sogar, dass all diese unsichtbaren Ketten und das System ‚Teheran’ auf Angst beruhen. Denn so wie er selbst mit diesem Angstsystem zurechtkomme, das Leben dort sogar genieße, führe es ihm vor Augen, was dadurch mit seiner eigenen Moral und seiner Seele passiere. Das beweise auch, wie groß die menschliche Belastbarkeit ist.

Um als Künstler unter diesen oft erniedrigenden Umständen zu überleben, verpflichtete Navaee sich dem alten iranischen Glauben, der dem heutigen Glauben diametral entgegensteht, und darüber hinaus der Idee, in die Rolle des Clowns zu schlüpfen, kein System ernst zu nehmen und die Menschen zum Lachen zu bringen. Das erlaube ihm, die privaten und mentalen Sicherheitszonen seiner Generation zu betreten.

My atomic beloved, short-film by Amirali Navaee (foto: Kunstverein Baden)Amirali Navaee löst diese Ideen vielfach choreografisch und performativ auf. Er selbst, 1982 geboren, begann seine künstlerische Laufbahn bereits mit fünfzehn Jahren als Tänzer in Teheran. Mit Zwanzig besuchte er die Filmhochschule. Seine traumhaft anmutenden Videofilme, wie der Kurzfilm „My Atomic beloved“ von 2008, der auf dem Venedig Filmfestival gezeigt wurde aber im Iran verboten ist, folgt zwei Tänzern neun Stunden bevor eine Atombombe die Stadt trifft. In dem Video „Sight“ von 2009 betrachten Menschen mit verbundenen Augen einen Kinofilm, während ein Storyteller ihnen Lügen erzählt.

Im Kunstverein trifft Amirali Navaee auf die Konzeptkünstlerin Sabine Müller-Funk, die sich mit der subtilen Verlogenheit und Illusion von Kommunikation auseinandersetzt. Gemeinsam zeigen sie eine Performance. Müller-Funk, 55, geht dem verführerisch Täuschenden von Worten, Sprache und Texten nach. Ihre Arbeiten setzen dort an, wo Lyrik, Prosa oder Aphorismen zwar Begeisterung hervorrufen aber zugleich ihre Skepsis erwecken, da sie glauben machen, wirklich so verstanden zu werden. In Wandarbeiten zeigt Müller-Funk dieses subjektive Empfinden von Ambivalenz in lapidaren Sätzen wie: „Es geht uns immer besser. Alles wird gut. Die Zukunft ist unveränderlich.“ Diesen setzt sie das Ich entgegen in Aussagen wie: „Ich bin genial. Ich schaffe es, wenn ich nur wirklich will. Es ist alles vorherbestimmt“, oder: „Ich bin glücklich“. Kleine Lügen, große Lügen, Lebenslügen – Glück, oder vielleicht doch nur die Illusion davon.

English version

Amirali Navaee

Every inch of a city and circumstance is occupied by a system and a culture and an invisible chain which links people to each other. I would say all those invisible chains and that very system of my city “Tehran” is called: “Fear”.

Thinking of how I am managing to live and enjoy this city regarding to what happens to my moral and soul everyday makes me believe how vast the human capacity is. In order to survive under this fearful, diminishing situation I had to get connected to two things: Ancient Iranian beliefs which is 180 degrees apart from what is happening now in this city. The idea of being a clown and not take any system serious and make people laugh, which gives me a certain permission to enter the very private, secure mental territories of those of my generation.
All and all I am very connected to this subject “Lies that keep you going”. Because I guess this is what every single person regardless of the country goes through.
Once my father said: “one who shows that he/she is strong in front of the others will remain in solitude when he/she finds himself completely lost in his problems and troubles, because he didn’t share with anyone.”

* "Saba the Wind" is a sight specific multi channel video, made by Iranian Film and Video maker, Amirali Navaee in 2009, Umbria, Italy. The video installation was successfully viewed in the Middle East and Europe including ARTist gallery Istanbul and Berlin, Aun and Shirin gallery Tehran, Indisiplinarte outdoor exhibition (City of Terni_Italy) and ...

Based on Gurdjieff teachings on Sultan Sema (Whirling dance), Amirali built up a world based on juxtaposition of modern elements and ancient rituals.

Iranian film maker and critic, Kianoosh Akhbari says "Saba tries to connect us to our ancient wisdom, without escaping from our cold materialistic life.

The music is by Arvo Pärt and is used only in the teaser but not for the installation.

 


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