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nurart on air - Simone Reber PDF Drucken

nurart - Archipel

Megafone an einer temporären Beduinen-Moschee am Rande der Wüste Negev, Israel

Simone Reber hat sich in die nurart-Welt begeben und ihr eine wunderbare Stimme verliehen.

Dieser Radiobeitrag wurde am 18. November 2013 auf SWR 2 gesendet: Journal Kulturthema "Offener Kulturaustausch im Netz"

Manuskript - Simone Reber über nurart.org, eine Plattform für Kunst des Nahen und Mittleren Ostens

Gute Internet-Adressen zur Kultur findet man meistens nur per Zufall. Wir wollen dem Zufall auf die Sprünge helfen und Ihnen den Weg weisen zu sehenswerten Web-Seiten. Eine davon ist nurart. Nurart konzentriert sich auf die Kunst des Nahen und Mittleren Ostens sowie des Maghreb. In Arabisch und Farsi bedeutet Nur: das Licht. Im Alt-Hebräischen und Aramäischen: das Feuer. Aber Irmgard Berner, die Begründerin der Webseite, will den Namen auch auf Deutsch verstanden wissen. Bei nurart geht es nur um Kunst.

Die Kamera fährt durch die Straßen von Teheran. Die Musiker der Gruppe KIOSK haben den Menschen die melancholischen Verse ihres Liedes "Love for Speed" in den Mund gelegt. Soldaten, ein Mullah, eine Mutter mit Kindern singen von der absurden Perspektivlosigkeit unter der Glasglocke der Diktatur.

Das subversive Video aus Teheran ist bei nurart zu finden. Vor sechs Jahren hat die Malerin, Bühnenbildnerin und Kunstkritikerin Irmgard Berner die Website als Abschlussarbeit ihres Studiums an der Berliner Universität der Künste entwickelt. Seither sammelt sie Geschichten, die das rigide Freund-Feindschema im Nahen und Mittleren Osten durchbrechen. Für Irmgard Berner stellt nurart ein großes Archiv dar, das sich im Internet mit anderen Speichern verknüpfen lässt:

"Es ist wie die Verbildlichung des Gedächtnisses. Und ich muss da oft an Aby Warburg denken. An diese Mnemosyne und diesen Bildatlas. Das ist wie ein Reisen durch die Welt und dann hat man hier auf dieser Seite eben Fenster, die immer wieder den Blick öffnen auf einen bestimmten Raum". Irmgard Berner

"Kein Dogma" lautet die Selbstverpflichtung. Gebrochene, von Krieg und Diktatur verformte Biographien prägen die Kunst, die bei nurart zu sehen ist. "A heap of broken images" – ein Haufen zerbrochener Bilder nannte etwa der libanesische Maler Mohammad Said Baalbaki seine Ausstellung in Beirut. Baalbaki malt Bruchstücke von Körpern wie er sie aus seiner Kindheit im Bürgerkrieg erinnert. Die großformatigen Bilder zeigte er in dem zerbombten Dome seiner Heimatstadt.

"Das ist wie so eine Kathedrale, also das ist kein Sakralraum, aber ein Einkaufszentrum. Und das ist Innen eine leere Betonhöhle. Da tropft das Wasser rein, da sind Pfützen auf dem Boden. Und er hat da Stellwände rein. Er macht sehr große Formate und hat da eine große Ausstellung gemacht". Irmgard Berner

Die Dokumentation der Ausstellung wird bei nurart aufbewahrt. "Kein Dogma" heißt aber auch, dass auf der Seite ein Link zu der gewitzten Aktion des israelischen Designers Ronny Edry zu finden ist. Genervt von den martialischen Drohungen der Politiker verbreitete er über facebook die Botschaft: "Iraner, wir werden Euer Land nicht bombardieren. Wir lieben Euch."

"I don’t hate you, I don’t even know you, I never met an Iranian except in Paris in a museum, nice dude". Ronny Edry. Ich hasse Euch nicht, ich kenne Euch nicht einmal, sagt Ronny Edry in seinem Video. Ich habe erst einen Iraner getroffen, in Paris im Museum, ein netter Kerl."

Bald erhielt er ähnliche Nachrichten aus dem Iran: Israelis, wir lieben Euch. nurart richtet sich auch an die vielen Künstler in der Diaspora. Hier finden sich Rezensionen, etwa zur Ausstellung des Kunstvereins Baden. Unter dem Motto "Lebenslügen" entfaltet da der Iraner Amirali Navaee seine filmischen Reflektionen über das Leben in einem System der Angst. Im Schneeballsystem ergibt sich aus einer Begegnung die nächste. Ein Interview in Berlin führt zu einer Ausstellung nach Aarau, wo Ghazaleh Hedayat der Frage nachging, wie Haare klingen.

"Man musste fast mit der Lupe hingucken, an der Wand, ein transparentes Plexiglas, mit Löchern drin. Und durch die Löcher waren Haare gefädelt, die aber aus der Wand zu kommen schienen. Und wenn ein bisschen Luft durch streifte, dann hatte man wirklich das Gefühl, das klingt ein bisschen". Irmgard Berner

Flüssiges Lesen nennt Irmgard Berner die Mischung aus Film, Fotografie und Text. Im großen weiten Netz stellt nurart nicht mehr als ein Inselchen dar. Verknüpft mit anderen Portalen aber entsteht ein Archipel, auf dem gilt: kein Dogma.

Simone Reber

 


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