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El Lissitzky - Ilya und Emilia Kabakov PDF Drucken

Gescheiterte Utopien

Fallen Angel, 1997. Ilya und Emilia Kabakov. c-umj-lacknerKunsthaus Graz: "El Lissitzky – Ilya und Emilia Kabakov" im Rahmen des Jahresthemas "Utopien in der Kunst"

Graz, Februar 2014. Mit waghalsig erdachten Utopien manifestierten sich die russischen Avantgarden seit ihren Anfängen am Beginn der Moderne, in der Kunst und Architektur. El Lissitzky, 1890 geboren und 1941 in Moskau gestorben, war einer jener maßgeblichen Denker, die an der Umgestaltung des Alltags der jungen Sowjetunion mitwirken wollten. Ilya und Emilia Kabakov, 2009. c-IBernerEr glaubte an die Utopie und an Lenin und daran, man könne aus diesem Staat etwas machen, man könne die Menschen und das Leben verbessern. Der russische Künstler Ilya Kabakov, geboren 1933, ist einer, der dieses Leben gelebt hat. Mit seiner Frau Emilia reflektiert und baut er dieses Leben neu - siehe Interview über den White Cube.

von Irmgard Berner

El Lissitzky entwarf Architekturen wie den „Wolkenbügel“ 1925, einen schräg in den Himmel ragenden Büroturm mit Blick auf den Strastnoi Boulevard, der als Antithese zum Wolkenkratzer gedacht war. Mit seinen Entwürfen bestimmte Lissitzky das Formenvokabular einer Zeit des Aufbruchs mit und stellte die Kunst direkt in den Dienst einer Gesellschaftsreform.

Der Wolkenbügel, Blick auf Strastnoi Boulevard. El Lissitzky 1925. Van AbbemuseumDer russische Künstler Ilya Kabakov, geboren 1933, ist einer, der dieses Leben gelebt hat, aber bald merkte, dass diese Utopie schmerzlich gescheitert ist. 1992 war er auf der IX. documenta in Kassel mit seinem begehbaren "Wohnklo" aufgefallen, einem roh gezimmerten Bau vor dem Fridericianum, wo man lernen konnte, wie das Leben in der Sowjetunion wirklich war, und dass der eigentliche Rückzugsort zur Privatheit der Lokus war.

Beide Künstler stehen für eine bildgewaltige Konstruktion und deren späterer Dekonstruktion. Und nun gewährt der Jüngere einen Blick auf den Älteren, den Avantgardisten. Die utopische Architektur des Kunsthauses Graz, das dem Ideal einer demokratischen Gesellschaftsordnung die offene, fließende Form eines organischen Miteinanders verleiht, inspirierte das Künstlerpaar Ilya und Emilia Kabakov zu einer neuen Anordnung der Ausstellung, die sie 2013 im Van Abbemuseum im holländischen Eindhoven gestaltet haben.

In einem Spaziergang durch zwei im Halbkreis angeordnete, gegenüberliegende Weltanschauungen kann man in über vierzig Originalarbeiten El Lissitzkys beeindruckenden Rekonstruktionen seiner Modelle aus den Jahren 1919 bis 1930 als räumliche Gesamtkunstwerke nachgehen. Geometrische Formen als konstruktivistische und zugleich politische Visionen werden spürbar. Dem gegenüber entwerfen die installativen und malerischen Arbeiten der Kabakovs ein Bild von bodenständiger Realität, gepaart mit konzeptueller Metaphysik.

Listening (in the Room), 2001. c-Ilya & Emilia KabakovDie Ausstellung folgt zugleich dem Jahresthema des Kunsthauses über „Utopie in der Kunst“. Anders als in Eindhoven, wo eine lineare Gliederung die Arbeiten nach Themen direkt gegenüberstellte, ist hier ein paralleles Nebeneinander von Universen sowie ein dekonstruierendes Aufeinandertreffen von Fiktionen, Realitäten und Zeiten entstanden. In je sechs Themen – vom Aufbruch in den Raum bis hin zur unrealisierten Utopie – reihen sich die Werke der Künstler, treffen schließlich in einem gemeinsamen Zentralraum aufeinander und kulminieren politisch.

So montierte El Lissitzky in eine große Installation, in deren oberem Teil Lenin als Rhetor Propaganda redet, das bekannte Foto, auf dem er den Arm hochstreckt. Daneben stellen die Kabakovs die Arbeit "Der Tyrann", ein Modell, in dem einer von seinem Sockel steigt: Es ist Stalin. Lissitzky baut also im Sinne von Bauhaus die Wohnung für den neuen Menschen. Und was zeigt Kabakov? Wie diese kommunalen Wohnungen wirklich waren – nicht nur das begehbare "Wohnklo", sondern dass für alle nur ein Herd da war in nur einem Wohnraum.

Dieser Artikel erschien auch in der Zeitschrift kunst:art 36

Kunsthaus Graz

Ausstellungsansicht, Kunsthaus Graz

 


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