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Vilém Flusser - Medienphilosoph PDF Drucken

Vorausdenker des Digitalen

„Bodenlos –Vilém Flusser und die Künste“ ist ein erkenntnisreicher Parcours durch Werk und Wirken des großen Kommunikators. Die multimediale Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlinüber den charismatischen Medienphilosophen und jüdischen Migranten

VilémFlusserwurde in den Achtzigern zumStar derMedientheorie in Europa. Foto: Ed Sommer

erweist sich zudem als Ritt durch die Mediengeschichte des späten 20. Jahrhunderts.

von Irmgard Berner

Berlin, Dezember 2015. Wenn Vilém Flusser spricht, beansprucht er den ganzen Luftraum zum ausgiebig Gestikulieren. Energie wirbelt, er läuft zur Hochform auf, während er kommentiert und philosophiert. In dem 17-Minuten-Video „Les Gestes du Professeur“ sind diese Gesten selbst Inhalt seines Philosophierens.

Gedreht hat es Flussers Künstlerfreund, der Fotograf Fred Forest. 1973 war das, da lebteVilémFlusser bereits in Frankreich. Und Forest fing gerade an,mit der Videokamera zu experimentieren. Vilém Flusser war begeistert wie von allen technischen Neuerungen, die Informationen transportieren. Er, der sich schon früh „Ins Universum der technischen Bilder“ – so lautete später einer seiner Buchtitel – hineingedacht hat.

Endlich wurden Bild und Bewegung, Zeit und Ton in einem Apparat vereint zur Aufnahme. Doch wie enttäuscht war er, wenn das Videoband zu Ende war und eine Zwangspause eintrat, er seinen Redefluss stoppen musste. „Dann wusste er nicht, was er mit seinen Händen machen soll“, erzählt Forest in demFilminterview ein Vierteljahrhundert später, das gleich neben dem monologisierenden Flusser hängt. Die kleinen Bildschirme sind nun mit weiteren Filmdokumenten aus jener Zeit in der Akademie der Künste am Hanseatenweg zu sehen. Sie sagen viel aus über die Persönlichkeit dieses charismatischen Medienphilosophen und Kommunikationsvirtuosen.

E-Book-Vorläufer und Flussers Nomadismus

Die multimediale Ausstellung „Bodenlos – Vilém Flusser und die Künste“ ist ein Parcours und zeigt Einblicke in das nomadische Leben und Wirken dieses jüdischen Migranten. In einer kleinen Wandvitrine gleich zu Anfang liegt eine winzige, zerlesene Taschenbibel. Seine Mutter hatte sie ihm noch mit auf die Flucht gegeben, 1939 in Prag. Da war er neunzehn Jahre alt. Und so startet hier mit Flussers Reisebibliothek, mit Briefen, Schriftstücken, vorbei an Monitoren und Schreibmaschinen – eine davon ist Nam June Paiks „Egomachine“ von 1974 – zudem ein wahrer Ritt durch die Mediengeschichte der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die engbeschriebenen Seiten in Vitrinen, die Bild- und Tondokumente sind umgeben von frühen Computergrafiken, Animationen, Objekten von etwa 40 Künstlern, die im Einflussbereich Flussers standen oder heute stehen, und von denen auch er sich für sein Denken inspirieren ließ.

Louis Bec, Systemtafel aus dem Wissenschaftsinstitut für Paranaturalistische Forschung, 1972-1986. Foto: Louis BecNeben Fred ForestsVideos sind es die Gedankenexperimente, die er mit seinem Künstlerfreund Louis Bec ausheckte. Komplexe Zeichnungen hypothetischer Anatomien, paranaturalistischer Organismen und zoosystematische Tafeln lassen erahnen, in welchen Denkräumen sie unterwegs waren. Harun Farockis Film „Schlagzeilen–Schlagbilder“ (1986) zeigt Flusser über die Bild-Zeitung gebeugt, während er eine knallharte Analyse des Blattes gibt. Als unschlagbar weitsichtig erweist sich daneben einVorläufer des E-Books: Flussers „Die Schrift. Hat Schreiben Zukunft?“ von 1987 ist in einer elektronischen Ausgabe auf zwei Floppy-Disks über einen alten Monitor zu lesen.

Bild und Text, Hypertext und Algorithmen – Flusser hat das Digitale vorausgedacht. Den Titel „Bodenlos“ indes entlehnen die Kuratoren, Baruch Gottlieb und Siegfried Zielinsky, Medienarchäologe und Leiter des Vilém Flusser Archivs, das seit 2007 an der UdK Berlin zugänglich ist, der gleichnamigen Autobiografie. „Ich bin nur wirklich, wenn ich spreche, schreibe, lese. Sprache ist mein Engagement, in ihr realisiere ich mich“, schreibt er da. Das sagt somit einer, dem die Muttersprache genommen, dessen Familie ermordet, dessen Leben Flucht, Migration, Heimatlosigkeit fortan prägen. „Mit Auschwitz haben wir den tiefsten Level von Abstraktion erreicht", schrieb Flusser, verstand aber „die Schmerzen der durchschnittenen Fäden" als Möglichkeit, über die Katastrophe hinauszudenken. Was Hannah Arendt als „Denken ohne Geländer" begriff, sah Flusser als Denken ohne Boden". Die gewohnten Muster existieren nicht mehr. Dreißig Jahre lebte er dann in Brasilien. Im Sao Paolo der Fünfziger- und Sechzigerjahre stieß er auf das künstlerische und intellektuelle Klima der konkreten Kunst und Poesie und rieb sich daran, wie den Briefwechseln und Publikationen zu entnehmen ist. Während der Militärdiktatur kehrte er zurück nach Europa, lebte in Italien, der Schweiz, fast zwanzig Jahre in Frankreich.

Das Imaginäre und Kommunikologische

Als Heimat indes erkannte Flusser nur das Imaginäre an, aus der Grund- und Bodenlosigkeit heraus dachte er die Freiheit neu. Zu dem Imaginären gehört der Text, der für ihn so etwas wie ein Ort und zugleich Nichtort war, an dem er sich aufhalten konnte. Und ganz wesentlich die Künste. Sie waren die Aktivität, die Tätigkeit, die ihn am meisten faszinierte, weil widerständig im Imaginären. Er hat sich aber nicht etwa an Maler gehalten, sondern an Künstler, die mit Technik, mit elektronischen Medien arbeiteten. Kunstingenieure nannte er sie. Das zeigt diese Schau auch. Der Lichtkünstler Dieter Jung, 74, ist so ein Künstler, er kannte Flusser noch persönlich und konnte ihn für die Holografie begeistern. Nun lässt Jungs Hologramm magisch immateriell Flussers Konterfei in einem oszillierenden Gitternetz erscheinen und gleich wieder verschwinden, wenn man den Blick nur ein wenig wendet.

Flusser fand und erfand in seiner neuen Freiheit unbegrenzte Denk- und Bewegungsspielräume, sprach gar von der telematischen Gesellschaft. Ende der Achtzigerjahre wurde er zum Star der Medientheorie in Europa und trat als solcher häufig in akademischen Foren und Arenen Deutschlands auf. Seine Bücher „Für eine Philosophie der Fotografie" oder seine „Kommunikologie" sind Klassiker der Medientheorie. 1991 starb Flusser bei einem Autounfall in der Tschechoslowakei. Sein Vermächtnis jedoch steckt voller Brisanz.

Akademie der Künste, www.adk.de - Hanseatenweg 10, 10557 Berlin. Di–So, 11–19 Uhr. Bis 10. 1. 2016.

 


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