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Manglano-Ovalle: Phantom Truck PDF Drucken
Geschrieben von: Irmgard Berner   

Der gebürtige Spanier Inigo Manglano-Ovalle beschreibt mit leidenschaftlicher Gestik die Hintergründe der Installation, die er für die Documenta 12 in Kassel geschaffen hat. Sie war eine der packendsten Kunstwerke der Ausstellung.

Dim lights

Objekt aus der Dunkelheit

Iñigo Manglano-Ovalles Phantom Truck

von Irmgard Berner

Keller, Bunker, Verlies. Fünf Stufen führen hinunter in ein schwarzes, lichtloses Ambiente, der Hall der Schritte und Stimmen prallt von unsichtbaren Wänden zurück. Das Auge ist noch geblendet vom grell-rot beleuchteten Vestibul, durch das man in dieses düstere Souterrain gelangt. Der Klang eines amerikanischen Senders aus einem Transistorradio auf dem Boden ist temporärer Begleiter. Das rote Licht, und dann: Dunkelheit. Blind ist der Blick, nur langsam erahnt er das riesige, stählerne Objekt, ein Vehikel, auftrumpfend in seiner Bedrohung. Matt schimmernd schälen sich seine schweren Formen, mannshohen Reifen und metallenen Tanks aus der Düsternis.
Dieser Truck ist ein Ereignis, das man nicht fassen kann, zu groß für diesen Raum; unklar bleibt auch, wie dieses Phantom sich aus seiner tiefschwarzen Verschleierung materialisieren konnte.

Phantom Truck ist die maßstabsgetreue Rekonstruktion eines mobilen Labors zur Herstellung biologischer Waffen, wie es der ehemalige US-Außenminister Colin Powell in seiner Präsentation vor den Vereinten Nationen im Februar 2003 beschrieben hat. Diese Computer-Zeichnung eines Labors wurde als "zuverlässige Information" vorgestellt und lieferte die Rechtfertigung für die Invasion der USA in den Irak im folgenden Monat. Im April desselben Jahres wurde berichtet, dass zwei dieser Labors unter der Erdoberfläche versteckt im Irak gefunden wurden. Im September stand nachweislich fest, dass diese Labors zur Waffenproduktion gar nicht geeignet waren.
Diese Geschichte von Herstellung, Darstellung und letztendlich Fehldarstellung gibt Manglano-Ovalle eine aussagekräftige Allegorie für die Prozesse von Wahrheit und Wahrnehmung an die Hand. Der Künstler erschafft damit dieses Phantomobjekt in Kassel, einer Stadt mit einer langen Geschichte in der Produktion von Kriegsfahrzeugen.
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Iñigo Manglano-Ovalle *1961 in Madrid (ES), lives in Chicago (US)
Ausstelungen: Max Protetch Gallery, New York, 2006 (US);
3. Liverpool Biennale, 2004 (UK); 9. Architektur Biennale Venedig, 2004 (IT)

IÑIGO MANGLANO-OVALLE
Phantom Truck, 2007
© Iñigo Manglano-Ovalle; Photo Katrin Schilling / documenta GmbH
Photo: Iñigo Manglano-Ovalle © Irmgard Berner / nurart

 


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